Transit Times-Logo

Habemus Patientia!

iGude!

Diese Woche war es so weit. Friedrich Merz wurde am vergangenen Dienstag zum zehnten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschlands gewählt. Allerdings nicht ohne Getöse und Häme, als er im ersten Wahlgang aufgrund von 18 Gegenstimmen von CDU/CSU und SPD völlig überraschend scheiterte.

"Die" Medien äußerten sich überwiegend kritisch bis spöttisch; von allem war etwas dabei, nur nichts Positives. Da konnte einem der Merz fast leidtun, aber Gefühle haben ja in der Politik nichts verloren, wie eine Influencerin im Wahlkampf sagte. Also bloß kein Mitleid mit dem reichen Blackrock’n’ruler Merz.

Dann folgte kurzfristig ein zweiter Wahlgang und Merz wurde doch noch gewählt. Ende gut, alles gut? Denkwürdig finde ich hier gleich mehreres. Einen Aspekt will ich herausgreifen: Friedrich Merz wird jetzt in die Geschichte eingehen als erster Kanzler Deutschlands, der nicht im ersten Wahlgang gewählt wurde. Das gab’s noch nie!

Was mir dabei zu kurz oder komisch (vor)kommt, ist das entstandene Narrativ. Denn schauen wir zurück in die Geschichte, sehen wir, dass 18 Abweichler bei den letzten fünf Bundeskanzlern (davon viermal Angela Merkel) noch vergleichsweise wenig sind. (Danke, Leonard, für den Hinweis!) Allein die Mehrheit des Regierungsbündnisses – back to Blackred’n‘rule – ist geschmolzen, und das macht sich auch bei einer überschaubaren Anzahl an Gegenstimmen sofort bemerkbar.

Ich frage mich, was Friedrich Merz zwischen den beiden Wahlgängen wohl alles so gedacht und gefühlt hat. Und woher er die Gewissheit, sofern er sie hatte, genommen hat, dass er beim zweiten Mal gewählt werden wird. Aber noch mehr frage ich mich, warum ihm so viel Hass und Häme von Medien und einstweideln auch Politikern entgegengebracht wurde.

Deutlich wird: Ob links oder rechts – Friedrich Merz scheint auf beiden Seiten nicht wirklich beliebt zu sein. Man reibt sich gerne an ihm. (Für Journalisten wäre das übrigens ein gutes Zeichen.) Das war im Grunde schon immer so, selbst aus den eigenen Reihen bekam er bis zuletzt Gegenwind von keiner geringeren als "Mutti" herself.

Mein Take an der Stelle ist simpel: Steinewerfen kann jeder. Aber gebt dem Mann doch mal ein bisschen Zeit zu zeigen, ob er Kanzler kann. Weniger mutmaßen und spekulieren, sondern mehr abwarten und mitmachen. Vielleicht ist das meiner Brille als coachender Selbstständiger geschuldet, aber dieses ganze Gegeifere und Gemeckere noch bevor der neue Bundeskanzler im Amt ist, finde ich gelinde gesagt schwierig.

Ein Gutes kann ich dem Ganzen jedenfalls abgewinnen: Im besten Falle dürften Friedrich Merz die vor ihm liegende Herausforderung spätestens jetzt demütig und geschärft angehen. Genau die Haltung, die ich in den vergangenen Jahren von unserer Regierung vermisste. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob das der Fall ist – und wie sich das auswirken wird. Es steht bekanntlich viel auf dem Spiel. Und die Besetzung des Kabinetts deutet aus meiner Sicht an, dass auch Friedrich Merz das verstanden hat.

Die neueste Podcast-Episode meines Freundes Leonard von Bibra zeigt das ebenso wie die Einordnung der 18 Abweichler ganz gut auf. Schau gerne mal vorbei.

Bis nächste Woche,

Dein Daniel

Hören.

Sowohl Leonards Podcast-Episode als auch Tabeas Vortrag sind für diese Woche mehr als genug Hörempfehlungen. Wer mehr braucht, darf gerne raus in die Natur gehen und dem Vögelgezwitscher zuhören. Herrlich!

Sehen.

"Wie wir lieben zeigt letztlich, wer wir sind", zitiert Tabea Freitag den US-amerikanischer Franziskanerpater Richard Rohr. In ihrem 42-minütigen Vortrag zeigt die Diplom-Psychologin die zerstörerische Kraft von Pornografie auf und erklärt, wie sich Pornokonsum auch auf sexualisierte Gewalt und Prostitution auswirken kann und welchen toxischen Einfluss Smartphones und Social Media darauf haben. Zudem vermittelt sie ein Bild davon, wie stimmige Sexualität ihrer Ansicht nach aussieht. Aus meiner Sicht eines der größten und wichtigsten Themen der heutigen Zeit, also nehmt euch die Zeit für das Video.

Weitere Infos zu "Fit for Love?" Buch und Ausbildung zum/zur "Fit-for-Love-Trainer/in" für Schule und Jugendarbeit unter www.return-mediensucht.de

Fühlen.

Sonne. Wärme. Yeah. Was gibt's Schöneres als Frühling satt?

Riechen.

Können Trump und Merz einander riechen? Das erste Telefonat jedenfalls lässt hoffen.

Schmecken.

Das Leben, Leute. Schmeckt gerade lecker.

One more Sinn

Gas geben oder Bremsen? Mehr oder weniger? Mein Take: Mal so, mal so. Wichtig ist hier das Pacing, also ein Tempo, das dem Marathon des Lebens angemessen ist. Nur: Das schließt kurze Sprints und gelegentliche Pausen keinesfalls aus.
Transit Times-Logo