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Deine Seele als KI-Futter

iGude!

Vorgestern las ich den neuesten Blogartikel von Richard Gutjahr. Richard Gutjahr ist ein von mir sehr geschätzter freier Journalist, der seit vielen Jahren die Tech-Welt aufmerksam, neugierig und kritisch zugleich beobachtet und publizistisch begleitet. So auch in seinem zuletzt erschienenen Blogartikel, der es in sich hat.

Anstatt seinen Artikel jetzt rauf und runter zu zitieren, habe ich ihn direkt angefragt, ob ich den ganzen Blogartikel hier bei Transit Times verwenden darf. Ich darf—Danke, Richard!

Nächste Woche gibt's dann wieder Gedanken von mir.

Bis dahin,

Dein Daniel
META will seine KI mit unseren Nutzerdaten trainieren. Wer das nicht will, muss bis zum 27. Mai aktiv widersprechen. Warum wir dem gefährlichsten Konzern unserer Zeit nicht die intimsten Geheimnisse anvertrauen dürfen.

Es ist unfassbar: META, vormals Facebook, beabsichtigt, die privatesten Daten europäischer Nutzer—unsere Kommentare, Bilder und Interaktionen—zum Training seiner Künstlichen Intelligenz (KI) zu verwenden. Eine Technologie, die bald so mächtig sein wird, dass sie Nobelpreisträger mit der Atombombe vergleichen.

Was steht auf dem Spiel?

Wir alle kennen ChatGPT als praktisches Tool zum Übersetzen oder Verfassen einfacher Texte. Solche Large Language Models basieren auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen – sie berechnen, welches Wort statistisch gesehen am wahrscheinlichsten auf ein anderes folgt.

Doch was META mit seiner KI vorhat, geht weit darüber hinaus. Es steht sogar in den AGB: Der Konzern will nicht nur Texte verstehen, sondern unser Verhalten vorhersagen – unsere nächsten Schritte, unsere Schwächen, unsere Sehnsüchte. Gefühle, Lebenslage, Einfallstore. All das soll kalkulierbar werden.

Nicht um uns zu helfen, sondern um uns im Sinne von. META zu lenken. Und das derart raffiniert, dass wir gar nicht merken, wie wir in unseren Entscheidungen manipuliert werden.

Der größte Daten-Raub aller Zeiten

Letztes Jahr hatte META schon einmal versucht, sich eine Generalvollmacht zur Verwendung unserer Daten zu erschleichen. Damals scheiterte der Konzern am Gegenwind aus Brüssel. Heute: Windstille.

Das Perfide: META zwingt uns – gegen alle Grundsätze der europäischen Rechtssprechung – zu einem Opt-out-Verfahren: Wer nicht möchte, dass seine Daten verwendet werden, muss aktiv widersprechen. Die Frist dafür ist extrem kurz, und kaum jemand weiß davon.

Ein solches „Du-stimmst-zu-wenn-du-nicht-aktiv-widersprichst“- Verfahren bei einer Entscheidung dieser Tragweite ist ein Hohn—ein „Fuck you!“ ins Gesicht jedes EU-Bürgers.

Wie hat META das geschafft?

Seit Jahren haben wir in Europa für die Datenschutzgrundverordnung gekämpft, wissend, dass es eines Tages eine Technologie geben wird, die, gefüttert mit vermeintlich harmlosen Daten, zu einer gefährlichen Waffe werden kann. Ausgerechnet jetzt, wo es darauf ankommt, reißen wir diese Schutzmauer wieder ein?
Der politische Wind hat sich gedreht. Trump (powered by Big Tech), ein neues EU-Parlament, eine neue Bundesregierung (die ehem. Büroleiterin der desigierten Bundseministerin Dorothee Bär arbeitet heute als Chef-Lobbyistin bei META), und nicht zuletzt die fehlende IT-Kompetenz haben Europa in die Defensive gebracht. Den Preis dafür zahlen wir nun mit unseren Daten.

Was tun?

Widersprecht der KI-Nutzung Eurer persönlichen Daten durch META. Geht dazu bei Whatsapp, Instagram oder Facebook auf ‚Einstellungen‘ > ‚Privatsphäre-Center‘. Und tut es jetzt, Ihr habt nur noch drei Wochen Zeit! Ist die KI einmal mit Euren Daten gefüttert, lässt sich dieser Prozess nie wieder rückgängig machen.

Vertraut nicht länger der EU, Verbraucherschutzzentrale, schon gar nicht Euren Abgeordneten, wenn es um Eure Privatsphäre geht. Niemand wird für Euch und Eure Daten kämpfen, wenn Ihr es nicht selbst tut. Macht es nicht nur für Euch oder Eure Kinder, macht es für Eure Freunde, die Ihr dank Eurer Verknüpfung zu ihnen mit ans Messer liefert – und ja, macht es für unsere Demokratie.

Wer mich schon länger kennt, weiß, dass meine düstersten Prognosen von einst nahezu allesamt eingetreten sind – in manchen Fällen noch nicht einmal weit genug gedacht waren. Solltet Ihr Fragen haben, schreibt mir. Und sagt bitte später nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt.
Mit freundlicher Genehmigung von Richard Gutjahr
Gutjahr.biz: Widerspruchsfrist: 25. Mai 2025: Deine Seele als KI-Futter

Hören.

Alle Mütter aufgepasst: Ab sofort gibt's den Newsletter meiner Frau Debora und ihrer beiden Freundinnen auch als Podcast zum Hören. Worum geht's?

Unser Podcast erzählt von den wunderschönen und den schweren Momenten unseres Mama-Alltags und möchte ein Ort sein, an dem wir einander die Hand reichen.

Sehen.

Das mit den Filmen und Videos ist bei mir so eine Sache. Für lange Blockbuster-Filme reicht meine Energie am Abend nicht mehr, gute Serien sind für meinen Geschmack auch rar gesät und in der ARD-Mediathek wimmelt es nur so von Rosamunde-Pilcher-Sendungen für Rentner, diversem Einheitsbrei bei den Polit-Talkshows ohne große Erkenntnisse, abgerundet von Funk-Dokus für Jüngere, mit denen ich mich zunehmend schwer tue (Gonzo-Journalismus!).

Was bleibt, ist YouTube (hatte ich schon The Race erwähnt? ;) ). Da ich bei YouTube aber den Videoverlauf deaktiviert habe (Datenkrake Google, siehe Thematik oben), kann ich nicht mehr nachschauen, was ich zuletzt gesehen habe. Und mein Gehirn spuckt mir leider zu selten eine Videoempfehlung der vergangenen Woche aus—Digitale Demenz lässt grüßen. Und ja, für den Gehalt der Videos auf YouTube spricht das dann auch nicht wirklich ...

Worauf ich mich aber wirklich freue: Auf das neueste Video der Real Life Guys, die zu meinen Lieblings-YouTubern gehören. Bis ich mir das anschauen kann, muss ich mich aber noch ein klein wenig gedulden. Denn ihre Videos schaue ich mir immer zusammen mit meinen beiden Kindern an. Inzwischen ein echtes kleines Familienritual!

Fühlen.

Ende Juni endet unser Mietvertrag, spätestens Mitte Juli müssen wir endgültig raus. Und wir haben immer noch keine neue Bleibe hier in Rheinbach bei Bonn. Trotzdem fühl' ich keine Panik, sondern eine gewisse Gelassenheit und Gottvertrauen. Und das Paradoxe daran: Tendenz steigend.

Ihr werdet in den kommenden Wochen sicher erfahren, wie das Ganze aus- bzw. weitergegangen sein wird (Futur II, die vollendete Zukunft). Noch bleibe ich zuversichtlich!

Riechen.

Aktuell rieche ich –im übertragenen Sinne –nichts. Vielleicht ja nächste Woche wieder. :)

Schmecken.

Bayern München ist wieder Deutscher Meister. Schade drum, aber war ja irgendwie klar.

Wirklich bedauernswert finde ich hingegen, dass mit Xabi Alonso ein Trainer die Bundesliga verlassen wird, der mich echt beeindruckt hat. Aber hey, es ist und bleibt nur Fußball, die tollste und kapitalistischste Nebensache der Welt.

(Thomas Müller bezeichnete sich bei seinem Abschied in München treffend als modernen Gladiator und die Allianzarena als Tempel.)

One more Sinn

"Spanner filmt sie heimlich – sie schlägt zurück", "Ich hatte Angst vor Heidi", "Es geschah auf einer Party", "Ich bin eher sadistisch", "Ehe aber Sex mit anderen" — wenn ich mir die Titel und Thumbnails des funk-Kanals deep und deutlich so durchlese, frage ich mich, was die junge, progressive Welt so im Angebot hat. Irgendwie mutet das auf mich schrecklich sinnlos und deprimierend an. Ich sehe kein tragfähiges Fundament, auf dem die Gäste ihr Leben aufbauen, und keine wertvolle Botschaft für ihre Fans und Zuschauer.

Aber selbst sinngetriebene Influencer, sogenannte Sinnfluencer, sind am Ende des Tages genau das: getrieben. Und nicht selten landen auch sie – von ihren Fans bis zuletzt gefeiert – in Burnout und Depression. Dann verschwinden sie für ein paar Monate von der Bildfläche, ehe sie mit einer Comeback-Tournee durch gewisse Medienlandschaften tingeln und alles plötzlich viel besser ist. Und auch das feiern ihre Fans dann als authentisch und inspirierend, als ob das Verhalten in den Jahren zuvor nicht gewichtige Fragen aufwerfen würde.

Was mir hier fehlt, sind tragfähige Vorbilder. Menschen, die nicht erst völlig getrieben im großen Crash enden, nur um sich dann medienwirksam neu in Szene zu setzen. Zumal das Ganze nicht wirklich authentisch ist, sondern inzwischen ein gut funktionierendes Geschäftsmodell darstellt. Die Aufmerksamkeit bleibt einem auf diese Weise gesichert, und das Geld auch. Verrückte Welt.

Wer sind eure Vorbilder? Schreibt mir gerne, indem ihr direkt auf diese Newsletter-Ausgabe antwortet!
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