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Wir alle tragen eine Brille
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Die ersten beiden Ausgaben bilden für mich die Grundlage dieses Newsletters. Immer wieder werde ich mich darauf beziehen und daran orientieren. Was nehmen wir wahr (insbesondere politisch, gesellschaftlich und medial, aber eben nicht ausschließlich), was macht das mit uns und was bedeutet das für mich und die Welt? Das ist das Konzept dieses Newsletters auf den Punkt gebracht.
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Diese Woche nahm ich an einer zweitätigen Exkursion durch einige große Medienhäuser in Bonn und Köln teil. Thema der Veranstaltung war die Debattenkultur und Demokratie in Deutschland – und welche Rolle die Medien darin spielen. Dabei fiel mir auf, wie sehr die Referenten ihre Sicht für die richtige, wahre Sicht hielten – und die andere Seite demnach, wenn auch nicht explizit so formuliert, für die falsche.
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Ihre Unfähigkeit zu erkennen, dass sie eine Brille aufhaben, mit der sie die Welt sehen und schlussendlich auch verstehen, war für mich erschreckend und betrübend zugleich.
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Am stärksten erschrocken war ich über junge Studenten (2. Semester), mit denen unsere Exkursionsgruppe am Ende debattieren durften. Die Studenten hielten ihre Meinung für Haltung – und zwar die einzig wahre und zulässige Haltung, die sie somit zur Wahrheit erhoben. Kurz: Sie verwechselten Meinung mit Wahrheit.
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Es war traurig zu sehen, wie sie mit Andersdenkenden umgingen und dass sie nicht bereit waren, Andersdenkende erst einmal verstehen zu wollen. Da wurde sofort inbrünstig verurteilt.
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Aus meiner Sicht steckt dahinter Angst. Etwa Angst davor, nicht dazuzugehören bzw. ausgeschlossen zu werden – insbesondere dann, wenn man etwas falsches sagt oder denkt. Was folgt, ist eine selbstverordnete Uniformität. Man sucht Gewissheit und Gleichheit in allen Fragen und Meinungen. Wird die erlangte Gewissheit in Frage gestellt, fühlt man sich angegriffen und geht in den Gegenangriff über. Denn es gilt, das eigene Weltbild zu erhalten und zu zementieren. Denn alles andere löst lediglich … richtig: Angst in uns aus.
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Umso wichtiger ist es aus meiner Sicht, offen zu bleiben. Offen dafür, dass wir uns geirrt haben könnten oder, dass wir dazulernen und Neues entdecken, das unseren Horizont weitet und uns umdenken lässt. Demut und Neugier wären hier zwei wichtige Werte, die ich zunehmend vermisse.
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Mindestens genauso wichtig ist hierbei ein guter Umgang mit dem Gefühl Angst. Wir werden im Leben nicht in allen Punkten Gewissheit haben, vielleicht sogar in den allerwenigsten. Was aus meiner Sicht entscheidend für ein gelingendes Leben ist, ist daher nicht eine Schein-Gewissheit, sondern ein tiefes Vertrauen. (Bei Interesse eurerseits kann ich diesen Punkt gerne in der nächsten Ausgabe – am Freitag nach Ostern – vertiefen.)
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Die spannende Frage, mit der schließen möchte, ist: Worin vertraust du? Antworte mir gerne auf diesen Newsletter; ich freue mich, von dir zu lesen.
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Sehen.
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Gesehen habe ich diese Woche weniger Videos, dafür mehr Menschen. Wenn ich am Kölner Hauptbahnhof in die kaputten Gesichter und müden Augen der Menschen blicke, erfüllt mich das mit einer tiefen Trauer. Diese Sehnsucht, diese Verzweiflung, diese Hoffnungslosigkeit, die ich dort stark wahrgenommen hatte, ließ mich nicht kalt – und wird mich sicher noch einige Tage lang beschäftigen (ich war schon länger nicht mehr am Kölner Hauptbahnhof).
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Hören.
Diese Woche habe ich weniger Externes gehört und mehr in mich reingehört. Auch spannend. ;)
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(Eine Podcast-Episode über J. D. Vance fand ich interessant, die der Frage nachging, ob der US-Vizepräsident womöglich gefährlicher ist als Donald Trump. Antwort: Ja, weil er im Gegensatz zu Donald Trump ideologisch und nicht nur opportunistisch unterwegs ist. Also weil er ein langfristiges Ziel verfolgt. So, das spart euch eine Stunde Zeit. #bitteschön)
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Fühlen.
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Der Zugang zu Gefühlen und Umgang mit Gefühlen ist so sehr wichtig – und oft so sehr unterentwickelt. Gerade heute wieder im Coaching erlebt.
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Riechen.
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Als der DAX neulich abstürzte, hatte ich das starke Gefühl, dass er sich bestimmt schnell wieder erholen würde. Tat er – fürs Erste – nun auch. Trotzdem handle ich nicht mit Aktien. :)
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Schmecken.
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Ob mir der Koalitionsvertrag schmeckt? Das will ich mir in den nächsten Wochen einmal näher anschauen ...
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Wenn euch das interessiert, kann ich mir das gerne mal
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One more Sinn
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Festhalten oder Loslassen? Das ist oft die Frage. Dabei verengen wir unseren Sinn und übersehen mindestens zwei Alternativen: Aushalten und Zulassen. Zu erkennen, was wann dran ist – das ist die große Kunst.
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