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Inbox Zero Vibes
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»Endlich habe ich Zeit. Zeit zum Denken. Zeit zum Reifen. Doch das war nicht immer so.«
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Was mich seit Tagen am meisten beschäftigt, ist offen gestanden nicht die weltpolitische Lage, sondern etwas ganz anderes: mein geschäftlicher Posteingang. Denn erstmals seit über zehn Jahren habe ich weniger als 35 E-Mails im Posteingang. Und das freut mich außerordentlich. So banal das auch klingen mag: Tatsächlich fühlt es sich richtig gut an, nicht 200-500 E-Mails im Posteingang zu haben. Erst jetzt merke ich, dass diese Anzahl an Mails, die für mich in der Regel To-dos darstellen, doch auch irgendwie eine Last waren, die ich all die Jahre mit mir rumschleppte. Umso schöner, diese Altlasten resp. diesen Ballast nun los zu sein. Auf der Metaabene heißt das für mich Dreierlei:
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Erstens: Überlege dir gut, was du anfängst.
Wenn man jung ist, hat man gefühlt endlos Kraft. Man stürzt sich ins Leben, nimmt Herausforderungen an und wächst an ihnen. Keine Welle ist zu hoch, kein Meer zu tief, keine Strömung zu stark. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
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Was folgt, ist eine Flut an Informationen, Kontakten und Terminen. Die E-Mails häufen sich, das Adressbuch füllt sich und der Kalender ist zum Bersten voll.
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Die letzten Jahre bin ich ausgebremst worden. Nicht erst seit und durch Corona, sondern durch viele weitere gesundheitliche, private und berufliche Aspekte. (Nein, Burnout war nicht dabei.) Das nervte mich zeitweise kolossal. Heute blicke ich nicht dankbar auf diese Bremsklötze zurück, sondern dankbar auf das, was durch und trotz diese/r Bremsklötze geworden ist.
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Ein wichtiger Rat wäre aber gewesen, mir gut zu überlegen, welche Projekte ich anfange – und welche nicht. Leider fehlte mir ein solcher Ratgeber damals, genauso wie der eigene Weitblick. Man kann eben nicht über seinen eigenen Horizont schauen. Und meiner war dann doch noch recht stark begrenzt.
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Zweitens: Temporäre Überforderung kann sich jahrelang negativ auswirken.
Sobald es einmal richtig gut läuft und so etwas wie Erfolg kommt, kommt auch die Flut an Informationen. Und wenn man dann nicht gut vorbereitet ist, sowohl charakterlich als auch organisationstechnisch, geht man schnell baden. Aber wie soll man mit 25 Jahren charakterlich reif genug sein, um angemessen mit einem gewissen Erfolg umzugehen? (By the way: Deshalb würde ich gerne junge Influencer und YouTuber coachen. Sie brauchen das.) Und woher soll man wissen, wie man die Fülle an E-Mails und Co. vernünftig sortiert und strukturiert? Ein gewisses Chaos ist also unweigerlich vorprogrammiert.
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Und ich bin dafür sicher ein gutes oder besser gesagt schlechtes Beispiel. Es hat schlappe zehn Jahre gedauert, bis ich meine E-Mailflut endlich wieder in den Griff bekommen habe. Zehn Jahre, in denen ich mental diese Last mit mir rumgeschleppt habe.
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Drittens: Dein Schreibtisch verrät, wie es in dir aussieht.
Das gilt natürlich nicht nur für meinen Posteingang, sondern auch für meinen Desktop und meinen Schreibtisch an sich. Inzwischen ist auch mein Desktop wieder nahezu vollständig leer – und das schon seit Wochen, also nicht nur temporär. (Oh yeah!)
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Aktuell bin ich an meinem Schreibtisch dran. Denn auch dort haben sich gewisse Unterlagen seit Jahren eingenistet. Entweder hatte ich keine Zeit, sie zu bearbeiten, keinen Platz, sie einzusortieren oder keine Bereitschaft, sie wegzuschmeißen. Keine guten Gründe, ich weiß.
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Was mir neulich in den Sinn kam, ist folgender Spruch einer Person (ich weiß leider nicht mehr, wer das war)
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„Zeig mir deinen Schreibtisch und ich sag dir, wie es in dir aussieht.“
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Ich habe damals viel darüber nachgedacht. Und ich halte den Spruch im absoluten Sinne für falsch. Denn ich kenne Menschen, deren Schreibtisch perfekt aufgeräumt ist, die im Inneren aber viel Chaos oder Schmerz mit sich herumschleppen. Manche Menschen brauchen diese äußere Ordnung, um ihre innere Unordnung in Schach zu halten. Das ist verhaltenstherapeutisch sicher hilfreich, aber nicht wirklich nachhaltig.
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Andersherum kenne ich zugegebenermaßen keinen Menschen, der einen absolut chaotischen Schreibtisch und im Inneren einen tiefen Frieden hat. Ich will aber nicht ausschließen, dass es auch solche Menschen gibt. (Ob hierbei Verdrängung oder ein mangelnder Zugang zu sich selbst dabei eine Rolle spielen?)
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Was ich von dem Spruch jedenfalls mitnehme, ist die praktische Fragestellung, wie mein und dein Schreibtisch aussieht – und ob es womöglich tatsächlich etwas über unser Inneres aussagt. Ich selbst bin wie gesagt gerade dabei, meinen Schreibtisch aufzuräumen.
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Auch auf die Gefahr hin, dass es meinen leeren Posteingang rasch füllt: Wenn du magst, kannst du mir ja mal ein Foto von deinem Schreibtisch schicken – und ich teile in der nächsten Ausgabe ein Foto von meinem (und wenn ich darf auch deinem). Ich bin gespannt zu erfahren, wie es bei dir aussieht und was du dazu denkst.
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Na toll – und was bringt mir das jetzt? Gute Frage. Im Sinne der ersten Ausgaben von Transit Times ermöglicht mir dieses Weniger an Ballast nicht nur mehr Zeit zum Denken, sondern auch Zeit zum Handeln. Es schafft Raum für Neues (wie diesen Newsletter!). Es ermöglicht mir, darüber nachzudenken, was dran ist. Was mir guttut und was die Welt braucht.
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Was oft nicht dazu gehört, ist die mediale Informationsflut und der digitale Aufmerksamkeitskampf, die uns in den Bann ziehen und uns womöglich nur ablenken von den eigentlich wichtigen Dingen in unserem Leben. (Was nicht heißt, dass journalistische Medien egal sind. Ganz im Gegenteil. Es kommt eben wie so oft auf die Motivation an.)
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Sieben praktische Tipps zum Schluss:
- Nimm dir Zeit für die wichtigen Dinge im Leben – damit das Leben dich nicht dazu zwingt, dir Zeit für die wichtigen Dinge im Leben zu nehmen. Das heißt: Räume regelmäßig auf, um nicht im Chaos zu versinken.
- Räume nicht nur auf, sondern schaffe auch Strukturen, die es dir ermöglichen, auch in Zukunft Ordnung zu halten. Zum Beispiel solch eine Struktur:
- Erstelle nach Möglichkeit maximal sieben Ordner im Posteingang mit jeweils maximal sieben Unterordnern. Vermeide eine dritte Ebene.
- Erstelle konsequent Regeln, in welche Ordner regelmäßig erhaltene E-Mails automatisch wandern sollen. Das spart dir Zeit beim Einsortieren und hält deinen Posteingang übersichtlich(er). Z.B. alle (nicht ganz so wichtigen) Newsletter in den Ordner „Newsletter“.
- Bestelle alle Newsletter ab, die du seit maximal einem Jahr nicht mehr gelesen hast. Du brauchst sie nicht.
- Ein Tipp, den ich selbst zugegeben nicht immer befolge: Beantworte alle E-Mails, die du in maximal fünf Minuten beantworten kannst, sofort. Wenn du sie später ein zweites Mal liest und dich neu reindenkst, verlierst du unnötig Zeit.
- Für manche ist es hilfreich, täglich nur zu festen Zeiten oder mit einer gewissen Anzahl an Aufrufen in den Posteingang zu schauen. Für mich nicht. Aber: Auf dem Smartphone ist es ganz wichtig, die Push-Notification für neue E-Mails zu deaktivieren. Lasst euch nicht von den E-Mails oder eurem Smartphone beherrschen, sondern beherrscht euer Smartphone.
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Hören.
Habe gerade anfangen, Joe Rogans Podcastepisode mit Jordan Peterson anzuhören. (Natürlich in meiner Podcast-App – Pocket Casts – und nicht auf YouTube!) Dauert schlappe drei Stunden lang.
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Da ich ansonsten gerade sehr wenig höre, kann ich aktuell noch nicht mehr dazu sagen.
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Sehen.
Für mich ist The Race aktuell die beste YouTube-Serie. (Vorher war es 7vsWild, aber die letzte Staffel fand ich nicht so stark – zu viel Zeit am Flugzeug absitzen und zu viel Joe Vogel-Kluggescheiße.) In der Serie treten fünf junge Personen in einem Rennen von Paris bis in die Türkei an – ohne Smartphone, Geld oder Fortbewegungsmittel.
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Mein persönliches Highlight ist Lézan. Ihm zuzuschauen, ist köstlich. Diese Selbstsicherheit und Unbekümmertheit, dieser charmante Umgang mit anderen und dann wieder diese rasant wechselnden Ups und Downs – einfach nur faszinierend.
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Doch auch bei The Race droht die Langeweile aufgrund der vielen Raststätten-Aufenthalte und Autobahn-Fahrten in LKWs.
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Fühlen.
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In Bezug auf Trump, Putin und Selenskyj habe ich gerade kein gutes Gefühl mehr. Ich hoffe nicht, dass das Worst-Case-Szenario eintritt, das ich im Februar bei voll meta! erwähnte.
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Riechen.
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Wenn du dich entscheiden müsstest, welches der fünf Sinnesorgane du für immer verlieren würdest – welches wäre das? Bei mir der Geruchssinn. Vermutlich wird er (von mir) unterschätzt.
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Schmecken.
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Zimt. Ich liebe Gebäck mit Zimt, allen voran Zimtbrötchen. Und Chai Latte, vor allem die selbstgemachte. Übelst lecker!
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One more Sinn
Ruhe. 2020 hatte ich mir sie gewünscht – und dann kam Corona. 2025 erlebe ich sie zum ersten Mal wieder. Und das mitten in einer Phase der Unsicherheit und vollkommenen Unklarheit, wo wir in drei Monaten wohnen werden.
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Diesmal ist es eine andere Art der Ruhe. 2020 war es eine Ruhe, die mir von außen temporär ermöglicht wurde. Dieses Mal, fünf Jahre später, ist es eine Ruhe, die von innen kommt – (nahezu) egal, wie die Umstände aktuell auch sind. Und dafür bin ich sehr dankbar. (Was nicht heißt, dass ich nicht morgen einen auf Lézan mache. ;) )
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