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Verflixte Konflikte

»Between stimulus and response there is a space. In that space is our power to choose our response. In our response lies our growth and our freedom.«
— Viktor Frankl
iGude!

„Massive russische Angriffe auf Kiew“, las ich heute Morgen als Top-Meldung in der Tagesschau-App. Und musste direkt an die Mutter einer Mitschülerin unseres Sohnes denken. Gemeinsam mit ihrer Tochter wird sie nach Beendigung der dritten Klasse wieder zurück nach Kiew gehen. Da ich die genauen Hintergründe nicht kenne, kann ich dazu auch nicht viel mehr sagen. Aber es beunruhigt mich, wenn ich solche Schlagzeilen lese. Und dass die USA nun weniger Waffen an die Ukraine liefert, lässt nichts Gutes für das von Putin angegriffene Land und dessen Hauptstadt Kiew vermuten.

Warum schreibe ich das? Zum einen, weil es mich bewegt. Zum anderen, weil es mir etwas aufzeigt: Vielleicht haben wir uns schon zu sehr an diesen Krieg gewöhnt. Hier ein paar Tote, dort ein paar Verletzte, hier ein paar Drohnenangriffe, dort ein paar Raketenangriffe. Hier ein paar eroberte Kilometer, dort ein paar verteidigte Grenzlinien. So geht das hin und her. Richard David Precht, dessen anfängliche Position, keine Waffen an die Ukraine zu liefern, ich zu keinem Zeitpunkt teilte, warnte vor diesem sogenannten „Abnutzungskrieg“. Das Verheerende dabei ist für mich unter anderem, dass eine ganze Generation vaterlos aufwächst und aufwachsen wird, sowohl in der ukrainischen Bevölkerung als auch in der russischen. Ganz zu schweigen von den tausenden entführten Kindern, die gänzlich ohne Eltern und schwer traumatisiert aufwachsen. Es ist ein so schrecklich sinnloser und dummer Krieg, den Putin da angezettelt hat. Und das macht mich richtig wütend.

Wütend machen mich auch die Deutschen, die versuchen, diese barbarischen Gräueltaten zu relativieren oder zu verdrehen, die Putin verteidigen und sagen, man müsse das „differenziert“ betrachten, die Ukraine und andere Mächte hätten schließlich zuvor (bewusst) provoziert. Ich bin für Differenzierung, aber gegen Dummheit. Und diese Ignoranz, Putin nicht als widerwärtigen Schwerverbrecher anzuerkennen, ist für mich pure Dummheit.

Schon vor vielen Jahren habe ich gelernt, dass es zwei Themen gibt, mit denen man sich so richtig unbeliebt macht: Religion und Politik. Wenn du keine Feinde und Konflikte haben willst, musst du diese beiden Bereiche meiden und gut ist – zumindest für dich. Ich befürchte, dass du dir langfristig damit aber selbst schaden und in deiner Entwicklung ausbremsen wirst, zumal dich das Leid anderer Menschen dann nicht interessieren darf. Und obwohl ich keine Konflikte mag oder suche, meide ich sie nicht. Ein wichtiger Unterschied. In der voll meta-Episode „Verflixte Konflikte“ habe ich schon vor zwei Jahren ausführlich über dieses Thema gesprochen.

Und was die Ukraine anbelangt, stehe ich hinter ihr – und dem Recht auf Selbstverteidigung. Ich kann mir vorstellen, dass das rund 10 Prozent der Newsletter-Abonnenten stören könnte. In diesem Fall rate ich aber von einer Diskussion mit mir ab, dafür ist mir meine Zeit ehrlich gesagt zu schade. Denn ich habe hier eine sehr klare Position, die ich auch deutlich vertrete. Solltest du eine andere Position haben, wäre meine ernstgemeinte Empfehlung an dich: Bitte bestelle diesen Newsletter ab. Du wirst mit mir nicht glücklich werden.

Sind das strenge, lieblose Töne? Ich glaube: Nein. Es sind mitfühlende Töne, aber nicht gegenüber Putin und seinen Anhängern, sondern gegenüber der ukrainischen Bevölkerung, die unter diesem schrecklichen Krieg so furchtbar leidet. Und diese massive Grenzüberschreitung Putins macht mich – völlig zurecht – wütend. Hat die Ukraine zuvor perfekt gehandelt? Sicher nicht. Gibt es in der Ukraine denn nicht auch Korruption und andere Verfehlungen? Ganz bestimmt. Rechtfertigt das einen inzwischen seit Jahren andauernden Angriffskriegs Putins auf die Ukraine? Nein.

Wenn dich jemand verbal beschimpft, gibt dir das bei aller Ungerechtigkeit, die hier stattfindet, auch nicht das Recht, der Person eine aufs Maul zu hauen. Die Wut selbst wäre zwar angemessen, ihr Ausdruck bzw. deine Handlung hingegen nicht. Diese kleine, aber feine Unterscheidung hat schon der Psychiater und Holocaust-Überlebende Viktor Frankl erkannt und wie folgt benannt:

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“

Angeblich hat Putin sich ja gereizt gefühlt. Und auch wenn ich diese Darstellung oder Deutung nicht teile, scheint er es so zu sehen. Dabei ist es ihm offensichtlich nicht gelungen, diesen von Viktor Frankl erwähnten Raum wahrzunehmen oder in diesem Raum eine gute Wahl zu treffen. In der Konsequenz hat er damit Millionen von Ukrainern äußerliche Freiheit, Frieden und Sicherheit genommen. Ich hoffe und bete, dass er ihnen und uns nicht unsere innere Freiheit nimmt, gute Entscheidungen zu treffen. Und manchmal gehört es eben auch dazu, Konflikte anzugehen und (die dabei empfundenen unangenehmen Gefühle) auszuhalten.

Nun könnte man meinen, dass meine Aussage im Widerspruch zu meiner Aussage „In diesem Fall rate ich aber von einer Diskussion mit mir ab, dafür ist mir meine Zeit ehrlich gesagt zu schade“ steht. Nein. Man muss sich aktiv dafür entscheiden, welche Kämpfe man ausfechten will, und welche nicht. Man kann nicht auf allen Fronten gleichzeitig kämpfen. Und glaub mir, ich habe aktuell genug Konfliktherde auf meinem Teller.

Das bedeutet aber nicht, dass ich zum Thema Ukraine schweigen werde. Auch wenn es mich Newsletter-Abonnenten kostet oder hasserfüllte Kommentare hervorrufen könnte. Das bin ich bereit, auszuhalten, da mir Wahrheit und Barmherzigkeit wichtiger sind als Konformität und Korrumpierung des Herzens.

Zu welchem Thema solltest du Stellung beziehen – auch wenn es dich etwas kostet? Mit welcher Person solltest du mal einen längst überfälligen Konflikt angehen, um weiterzukommen?

Bis nächste Woche,

Dein Daniel

Hören.

Die neueste Episode "Masken, Milliarden und Jens Spahn" fand ich sehr hörenswert. Die ehemalige Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis stellte als Podcast-Host die richtigen Fragen und bedachte viele Aspekte, die in der Causa Spahn wichtig sind.

Aus meiner Sicht ist Spahns Handeln ein riesen Unding, genauso wie dass er damit auch noch durchzukommen scheint (vermutlich kommt ihm hier auch die bevorstehende Sommerpause sehr gelegen). Für mich wäre so jemand, der keine Einsicht, Reue oder Willen zur Aufklärung zeigt, als ein möglicher zukünftiger Kanzlerkandidat unwählbar. Der Stolz der Politiker und die mangelnde Übernahme von Verantwortung wird ihnen zum Verhängnis. So wie schon Christian Lindner und anderen Spitzenpolitikern.

(Aber ja, die Frage dürfte berechtigt sein, ob die ARD solch eine kritische Episode auch zu Robert Habeck gemacht hätte, wo es ebenfalls schwerwiegende Kritikfelder gibt.)

Sehen.

Diese Woche gibt's wieder das schöne Vogelbild, das sich langsam als vertrauter Platzhalter etabliert. Denn: Mir ist keines der wenigen von mir angeschauten Videos im Gedächtnis geblieben, das es verdient hätte, hier verlinkt zu werden. Und da bin ich ganz bei den Real Life Guys: Geht lieber raus und entdeckt was in der echten Welt. Gerade bei diesem schönen Wetter.

Neulich habe ich aber einen Filmtipp erhalten, den ich mir bei Gelegenheit mal anschauen will. Vorausgesetzt, der Film ist nicht über 90 Minuten lang. Denn dafür fehlt mir schlicht die Zeit.

Wie sieht es bei dir aus? Schaust du lieber Reels auf Instagram, Clips auf YouTube, Serien oder Filme? Wenn ja, was sind deine Empfehlungen?

Fühlen.

Das mit den Gefühlen ist wirklich so eine Sache. Sie beschäftigen mich nun schon seit Jahren vermehrt und begegnen mir in den unterschiedlichsten Situationen, wie auch in meinem Haupttext oben geschildert. Und manchmal fühlt es sich an, als hätte man (ich!) keinen Fortschritt gemacht.

Doch mit etwas Abstand merke ich, dass sich eine ganze Menge getan hat – auch wenn es noch genügend Momente gibt, in denen ich weiter wachsen und reifen darf und will.

Was ich merke: In diesem Newsletter werden sie definitiv immer wieder vorkommen und Raum bekommen. Jawohl, das fühle ich ganz arg doll. ;)

Riechen.

Als ich eben angestrengt über die Rubrik Riechen nachdachte, musste ich an Smokey Mountain denken. Das ist oder besser gesagt war eine Müllhalde in Manila, auf der tausende von Menschen lebten, arbeiteten und starben. 2009 durfte ich diese Müllhalde besuchen und fotografieren. (Wenn du interessiert bist, teile ich gerne mal ein paar Fotos in einer der nächsten Newsletter-Editionen mit dir.)

Und bis heute betrachte ich es als den schlimmsten Ort, an dem ich jemals war. Bis heute fehlen mir die Worte, um das Leid, das ich dort sah, angemessen zu beschreiben. Eines, was mir in Erinnerung blieb, war der bestialische Gestank, nachdem es kurz geregnet hatte.

Weshalb ich eben genau daran denken musste? Weil ich neulich doch etwas gesehen hatte, was wirklich sehens- und empfehlenswert ist: Die Doku "Testify: A Vision to Die For". Prädikat "wertvoll".

Schmecken.

Meine Familiengruppe auf Threema ist aktuell in eine Rezeptegruppe ausgeartet. Das finde ich cool, denn ich mag wie bei Filmen auch Empfehlungen anderer, deren Geschmack ich in etwa einschätzen kann.

Leider fehlt mir aktuell die Zeit, neue Rezepte auszuprobieren. Und ganz ehrlich? Bei der Hitze der letzten Tage war das beste Rezept ohnehin ganz einfach: Wassermelone und fertig.

Was isst du an so heißen Tagen?

One more Sinn

Das Sommerloch. Das Sommerloch bezeichnet im Journalismus den Zeitraum im Sommer, wenn ganz Deutschland im Urlaub ist und gerade kein Bock auf Streit und Stress hat.

Interessant finde ich es, dass es uns, vielleicht sogar global betrachtet, weitestgehend gelingt, in dieser Zeit so manche Krisen und manchmal sogar Kriege auf politischer Ebene ruhen zu lassen (das gilt leider nicht für den Krieg in der Ukraine, aber beispielsweise berät die Hamas aktuell über eine 60-tägige Waffenruhe). Dann geht es also doch, das mit dem Frieden.

Schade, dass diese Kein-Bock-Mentalität nur für eins, zwei Monate existiert und danach wieder munter weiter gestritten wird. Und ganz bitter, wenn Naturkatastrophen sogar der kurzen Auszeit einen Strich durch die Rechnung machen. Dabei muss ich sofort an die Hochwasser-Katastrophe im Juli 2021 im Ahrtal denken. Hoffentlich bleiben wir diesen Sommer vor solchen Katastrophen verschont. 🙏
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