Transit Times-Logo

Access denied

»Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert.«
— Carly Fiorina
iGude!

Die letzten Wochen waren die Schlagzeilen wieder rappelvoll von diesem Donald Hmpf. Ab sofort nenne ich ihn Small T, benannt nach der Trauma-Bezeichnung des kanadischen Arztes und Experte für Sucht und Stress, Gabor Maté.

Mit Small T bezeichnet Maté Traumata, zu denen alltäglichere und sich wiederholende Erfahrungen von Stress und Not oder sogar von „guten Dingen, die nicht passieren“ gehören, darunter auch Ignorieren, Beschämen oder nicht ernst nehmen. (Maté sagt das als jemand, der anerkennt, sie seinen eigenen Kindern zugefügt zu haben.)

Und wenn wir immer und immer wieder von diesem Donald Hmpf genervt werden, dann halte ich die Zuschreibung „Small T“ für durchaus angebracht. Doch genau um diese Person soll es diese Woche ganz bewusst nicht gehen. Dafür um ein anderes Thema, das mir schon seit rund dreieinhalb Jahren wichtig ist: die Zugangsökonomie.

Wir befinden uns mitten in der nervigsten Zugangsökonomie, die wir bis dato hatten. Den Begriff habe ich mir ausgedacht, und er basiert auf dem bekannteren Begriff „Plattformökonomie“ oder auch digitaler Kapitalismus. Denn: Eine Plattform verkauft nicht vorrangig Produkte, sondern sie verkauft Zugang. Und das ist vielen von uns nicht bewusst.

Zunächst überwiegen die Vorteile: Wir schauen auf unseren Geldbeutel und können für kleines Geld alles sehen (Netflix), hören (Spotify), speichern (Dropbox) oder suchen (ChatGPT). 5 Euro hier, 10 Euro da – das tut zunächst nicht wirklich weh. Bis es plötzlich 50 Euro sind, und dann noch die monatlichen Abrechnungen für Handy- und Internetprovider hinzukommen, Versicherungen, Vorsorge und und und.

Das Problem ist, dass diese Zugangsökonomie längst nicht nur bei den Plattformen stattfindet. Auch offline, im echten Leben begegnet sie uns, beispielsweise bei Fitnessstudios oder an anderen Orten, wo wir nur noch mit Abonnements rein dürfen.

Und so lange alles gut läuft, das Geld fließt und wir genug haben, mag das irgendwie auch passen. Aber wehe, wenn es mal nicht so läuft – dann bist du, zack, raus und entsprechend außen vor. „Wie gut, dass ich keine (oder kaum) Abos habe“, magst du dir jetzt vielleicht denken. Dumm nur, wenn wir keine Wahl mehr bekommen.

Die Adobe Cloud ist für viele aus der Kreativbranche alternativlos und zwingend erforderlich, Onlinebanking in absehbarer Zeit sicher ebenfalls (auch wenn das noch nicht direkt an ein Abo gekoppelt ist … also abgesehen von den monatlichen Gebühren an die Bank fürs Konto, Überweisungen, EC- und Kreditkarten etc. pp.) und auch beim Fliegen wird man zum Teil schon heute dafür bestraft, wenn man nicht online eincheckt und den Koffer an einem Automaten selbst aufgibt (alles schon erlebt!).

Das Verrückte daran ist, dass wir im Falle eines unvorhergesehenen Fehlers oder Problems an irgendwelche Chatbots weiterverwiesen werden und spätestens dann merken, wie dumm diese ach so klugen KIs doch sind – und wie unempathisch und lieblos obendrein. Dann wird Verantwortung weiter delegiert und man, das Individuum, hat eben Pech gehabt.

Having said this: Deshalb, ihr Lieben, bin ich kein Fan von Abos. Sie führen uns schleichend in eine Abhängigkeit, entmündigen uns noch weiter, weil wir nichts anderes sind als Kunden, die für ihr Geld temporären Zugang bekommen. Das mag in manchen Fällen sicher auch sinnvoll sein, aber in essenziellen Bereichen des Lebens ist es mir wichtig, mir keinen temporären Zugang zu erwerben, sondern dauerhafter Eigentümer eines Gegenstands oder eines Werkzeugs zu werden. Digital ist das nahezu unmöglich geworden, außer ihr lasst euch auf dubiose Blockchain-Geschäfte mit NFTs ein. Welcome in 2025, where (almost) everything is possible – for those who are willing to pay without owning anything.

Gestern las ich noch in einem Artikel der WirtschaftsWoche davon, wie die Abofalle so langsam ihre eigenen Erfinder frisst. Es war unter anderem die Rede von Volkswagen ID.3, wo Volkswagen seinen Kunden ernsthaft anbietet, nur noch gegen Abo Zugriff(!) auf die vollen PS zu haben, wenn ich mich recht entsinne. Leider kann ich nicht mehr nachschauen, denn der Artikel ist inzwischen hinter einer Paywall verschwunden. Ich muss also ein weiteres Abo abschließen, wollte ich den Artikel wieder lesen können. Welch Ironie. (U.a. bei Welt kann man das noch ohne Abo nachlesen. Noch.)

Was mich interessieren würde: Wenn du mal all deine privaten digitalen Abonnements zusammenrechnest: Auf welchen monatlichen Betrag kommst du? Wenn genug von euch antworten, würde ich das gerne in der nächsten Edition aufgreifen. Ich bin gespannt!

Bis nächste Woche,

Dein Daniel

PS: Bei meinem Unternehmerpodcast der creedoonist habe ich mit dreieinhalb jähriger Verspätung eine kurze Folge zum gleichen Thema, aber mit der Brille eines Unternehmers veröffentlicht. Hör gerne mal rein!

Hören.

Die erste Folge nach über vier Jahren bei meinem Unternehmerpodast der creedoonist. Verrückt! Es hat Spaß gemacht, mal wieder eine Solofolge zu veröffentlichen, mit dem Titel #nosubway. Das Kuriose daran: Als ich die Folge heute aufnahm und mir hinterher die alte anhörte, die ich bereits 2022(!) aufnahm, staunte ich nicht schlecht: damals hatte ich bereits exakt die gleichen Gedanken geäußert, kam aber nie dazu, sie zu veröffentlichen. Das sei hiermit endlich nachgeholt! (Als nächstes muss ich das Cover mal updaten ... ;) )

Sehen.

Die letzten Tage habe ich mal geschaut, ob es eine Serie im Kaliber von This Is Us gibt, der mit Abstand besten Serie, die mir bislang bekannt ist. Doch leider Fehlanzeige. Vielleicht hast du ja einen Tipp für mich?

Fühlen.

Ein ander Mal. Ist gerade nichts für unter 18-Jährige. ;)

Riechen.

Vor einiger Zeit schauten wir als Familie eine Komödie (Rennschwein Rudi Rüssel, um genau zu sein). Eines unserer Kinder lachte sich schlapp dabei. Und gefühlt jedes Mal roch es danach etwas ... anders. Wenn ihr wisst, was ich meine. Aber das kann ich ja nicht hier im Newsletter schreiben. Upsss.

Schmecken.

Ich habe ein neues Schokomüsli entdeckt, das nur 9g Zucker pro 100g hat. Und es schmeckt mir. Wie genial! Jetzt darf REWE das Müsli nur nicht aus dem Sortiment nehmen, das wäre echt bitter. Also: Kauf das REWE Bio Schokomüsli was das Zeug hält! ;)

One more Sinn

Meine eigentliche Hörempfehlung ist die Podcast-Episode "Warum es so schwer ist, über Gaza zu berichten. Mit Richard C. Schneider" vom Ronzheimer-Podcast des gleichnamigen Bild-Journalisten Paul Ronzheimer. Ich schätze die Ausgewogenheit von Richard C. Schneider sehr. Es ist ein großer Verlust, dass der Journalist nicht mehr bei der ARD arbeitet, um dort von Israel aus zu berichten. Seine nüchterne, kluge und ausgewogene(!) Berichterstattung würde in Zeiten wie diesen guttun. Und ist dringend geboten. Also unbedingte Hörempfehlung in Puncto Israel.
Transit Times-Logo