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Rest in Peace, Charlie Kirk.

»Wenn wir eine Situation nicht ändern können, müssen wir uns selbst ändern.«
— Viktor Frankl
Charlie Kirk ist tot. Diese Nachricht traf mich gestern Morgen völlig überraschend und mit voller Wucht. Manchen von euch dürfte der Name Charlie Kirk nicht viel sagen. Das ist auch verständlich. In Deutschland gibt es keine vergleichbare Person oder Position, daher ist Charlie Kirk hierzulande schwer zu greifen. Die Tagesschau titelte „Trump-Unterstützer Charlie Kirk erschossen“ und beschrieb ihn als einen „der bekanntesten konservativen Podcaster der USA“, in einer späteren Meldung bezeichneten sie ihn als „ultrakonservativ“. Kirk war jedoch weniger ein politischer Podcaster wie derzeit der Bild-Journalist Paul Ronzheimer, sondern eher ein Aktivist wie der YouTuber Leonard Jäger, besser bekannt als Ketzer der Neuzeit. Mit dem Unterschied, dass Kirk nicht versuchte die Gegenseite (Linke und Linksextreme) zu entlarven oder bloßzustellen, sondern – im offenen Gespräch mit Kritikern – für seine eigenen konservativen Überzeugungen zu werben.

Kirk tat das öffentlich, ohne Schaum vorm Mund. Einmal debattierte er mit meinem Freund Leonard (ein anderer Leonard), und obwohl die beiden sich meist nicht einig waren, war es ein respektvoller Austausch auf Augenhöhe. Kurzum: Einigen seiner Positionen würde ich nicht zustimmen (wenngleich mich die Gegenposition auch nicht überzeugen konnte), habe aber von dem, was ich von außen wahrnehmen konnte, keine Bedenken, ihn als Person annehmen zu können. Und Letzteres ist für mich von entscheidender Bedeutung.

Über Charlie Kirk selbst kann ich nicht viel mehr sagen – ich weiß zu wenig über ihn. Mein Take zu dieser schockierenden und grausamen Nachricht ist etwas, das mich schon seit Längerem umtreibt: die zunehmende Spaltung und der stärker werdende Hass an den Rändern beider Lager, und das weltweit – und die Frage, wie wir Spaltung und Hass überwinden wollen.

Wie es dazu kommen konnte? Ich fürchte, das lässt sich nicht so einfach beantworten. Neben der Verantwortung der Medien (ein Thema für sich!) bin ich der Überzeugung, dass Menschen in der Politik die Befriedigung eines unerfüllten Bedürfnisses suchen. Für viele mag es ein Bedürfnis nach Sicherheit sein, nach Stabilität, Verlässlichkeit und Ordnung. Hier herrscht das Gefühl Angst, oft mit der Wut gedeckelt. Andere wiederum fühlen sich tief in ihrem Inneren womöglich einsam, verlassen, abgehängt. Hier melden sich Trauer und Scham, wobei Letzteres oftmals von Ersterem bedeckt wird. Bei ihnen nehme ich unter anderem das starke Bedürfnis nach Zugehörigkeit wahr. Und das will ich mir einmal näher anschauen.

Wer bist du, warum bist du hier – diese Fragen kennen wir (aber auch die Antworten?). Die Frage nach der Zugehörigkeit jedoch stellen wir uns und anderen nur selten. Dabei ist es ein grundlegendes Bedürfnis, irgendwo dazuzugehören. Zur Familie, zum Fußballverein, zum Arbeitsumfeld. Während Ersteres und Letzteres immer brüchiger werden und die Liebe zum Verein, ob lokal oder national, oft nur Flucht und Ablenkung darstellen, bietet die Politik eine wunderbare Projektion für Zugehörigkeit. In Charlie Kirks Heimatland, den Vereinigten Staaten von Amerika, ist das sicher noch stärker ausgeprägt aufgrund der klar verteilten Pole: Entweder bist du Demokrat oder Republikaner. In Deutschland ist das vereinfacht gesagt: links oder rechts, zu welchem Lager gehörst du dazu?

Dahinter liegt ein ganzes Weltbild. Und dieses Weltbild prägt uns stark, wie wir denken, fühlen und handeln. Mal schleichend, mal rasend schnell verstärken journalistische und (a)soziale Medien mit ihrer Aufmerksamkeitsökonomie und ihren Algorithmen dieses Weltbild, verengen es und es kann infolgedessen zu Radikalisierung kommen. Hass und Spaltung sind das Ergebnis. So weit, so bekannt.

Wie wir das überwinden können? Wenn ich Charlie Kirk richtig verstanden habe, war er nicht konservativ um konservativ zu sein, sondern weil es für ihn das überzeugende Ergebnis eines Prozesses darstellte. Er galt als Verfechter des Marktplatzes der Ideen:

Der Begriff „freier Markt der Ideen“ (auch Marktplatz der Ideen) beschreibt die Annahme, dass die Wahrheit durch den freien und transparenten Wettbewerb von Ideen im öffentlichen Diskurs hervorgeht, wobei sich überzeugende und weithin akzeptierte Ideen durchsetzen und unwahre oder schwache Ideen aussortiert werden. Der Philosoph John Stuart Mill ist einer der Hauptvertreter dieser Idee und argumentierte, dass der ungeprüfte Umgang mit Ideen zu Dogma führen könne und nur im freien Wettbewerb die Wahrheit von Unwahrheit unterschieden werden könne.

In diesem von der Google-KI generiertem Absatz steckt eine Menge drin. Zunächst einmal die Tatsache, dass Charlie Kirk ganz offensichtlich an eine absolute Wahrheit glaubte. Und dass er davon überzeugt war, es lohne sich, für sie zu kämpfen (und letztendlich zu sterben – er starb bei der Ausübung dessen, offen auf der Bühne debattierend). Charlie Kirk hatte keine Angst vor den Meinungen anderer, er hörte aufmerksam zu, dachte schnell und reagierte prompt. Nicht verteidigend, sondern erklärend und auch gewinnend.

Umgekehrt wiederum kennen wir das erschütternde Ergebnis: Man hat Charlie Kirk getötet, weil er anders denkt und ihm damit das Recht auf Leben abgesprochen. Wie viel Hass und Bitterkeit muss dieser Mensch in sich tragen?

Auch hierzulande nehme ich einen steigenden Anteil an Hass, Wut und Bitterkeit wahr. Das, was mich daran erschrecken lässt: In einem Moment können diese Menschen die liebsten, nettesten und hilfsbereitesten Menschen sein – nur um dann im nächsten Moment ausländerfeindliche oder antisemitische Sprüche zu klopfen und ihre Verachtung gegenüber Arbeitslosen und Umweltschutz einerseits oder Reichen und Deutschen andererseits mit schmerzverzerrtem Gesicht zum Ausdruck zu bringen. Oft machen sie das an einzelnen Politikern oder ihren Gesetzen (Herdprämie – pfui! Heizungsgesetz – buh!) fest. Und wenn sie könnten, würden sie diese Politiker auf der Stelle mundtot machen. Das erlebt der Ketzer der Neuzeit vom linken bis linksextremen Lager genauso wie beispielsweise Politiker der Grünen zum permanenten Feindbild der Rechten geworden sind. Ob es eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft gibt, ist tatsächlich umstritten – und doch scheinen sie tief, diese Gräben zwischen beiden Lagern. Und die Zündschnur, die das Pulverfass hochgehen lassen könnte, ist äußerst kurz. Da müssen wir nur einen Blick zu unserem Nachbarland Frankreich werfen, wo in den letzten Jahren immer mal wieder Autos brannten und auch jetzt die Situation sehr angespannt ist.

Welches Gefühl hast du, wenn du das hier liest? Irgendwie beklemmend und bedrückend, oder? Mein Blick darauf ist ein anderer: Wir sind herausgefordert, Position zu beziehen – und unliebsame Positionen auszuhalten. Das erfordert einen guten Umgang mit unseren Gefühlen, Empathie (dazu unten beim sechsten Sinn mehr!) und den Willen, zuzuhören und den anderen wirklich verstehen zu wollen. Aus meiner Sicht wären hier Resonanzräume deutlich geeigneter als Debattenräume wie das furchtbar fruchtlose Format von Jubliee, in dem Charlie Kirk mit 25 woken Studenten debattierte.

Aber was machen wir, wenn uns unsere Überzeugungen etwas kosten? Charlie Kirk kostete sie zwar nicht seine Zugehörigkeit, aber letztendlich sein Leben. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

Hören.

Diese Woche habe ich eine Webseite für ein Pflegeheim neu gestalten dürfen. Wenn ich tief in diese ganze HTML-Materie abtauche, höre ich manchmal gerne Musik dabei. Bevorzugterweise ein Lied, auf Repeat. Stundenlang. Und dann ist gut. Dieses Mal fiel meine Wahl auf "Ordinary" von Alex Warren, einem Musiker mit einer alles anderen als gewöhnlichen Stimme. Sehr zu empfehlen.

Sehen.

Aktuell läuft die Baskelball-EM. Die deutsche Nationalmannschaft steht im Halbfinale, und die Chancen stehen gut, dass sie am kommenden Sonntag Europameister wird. Dafür müssen sie aber erst einmal gegen den heutigen Halbfinalgegner Finnland gewinnen. Ein machbarer Gegner, wenn auch kein Selbstläufer. Dreimal dürft ihr raten, wer sich um 16 Uhr das Spiel mit seinem Sohn anschauen möchte. Um Gleichgesinnten das unnötige Suchen zu ersparen: den kostenfreien Livestream gibt's unter magentasport.de. #bitteschön

Fühlen.

Was für eine Gefühlsachterbahn. Die letzten Wochen, Monate, Jahre waren ein Auf und Ab der Gefühle. Nur das die Aufs oft ausblieben. Wie gut, dass mein Fundament nicht auf Gefühlen gegründet ist (und das sagt der Gefühlscoach, krass!).

So sehr ich andere Menschen auch verstehe, all diese unangenehmen Gefühle vermeiden zu wollen, so sehr würde ich all diese Täler nicht missen wollen, in denen ich geformt wurde und zu dem geworden bin, der ich heute bin. Und wenn ich zurückschaue, erkenne ich zaghaft den Wert dieser zugegeben schmerzhafte (innere) Reise. Eines Tages erzähle ich mal mehr davon stay tuned!

Riechen.

Ich bilde mir ein, einen guten Riecher für gute Geschäftsideen zu haben. Beispiel gefällig? Wie wär's mit einem Silikonnoppen, den man über den Rand eines Trinkglases stülpt, um sich bei Besuch merken zu können, welches Glas das eigene ist? Verschiedene Farben oder Buchstaben sorgen für ausreichende Ausdifferenzierung. Genial, oder? Dann stellte ich fest, dass es so etwas schon zigfach bei Amazon für einen Spottpreis gibt. Bummer! Nächste Woche verrate ich euch dann meine nächste geniale Geschäftsidee. Ich rieche den großen Erfolg, ha!

Schmecken.

Sauerteigbrot, Sauerteigcookies – beides habe ich an dieser Stelle schon ausdrücklich gefeiert. Nun fürchte ich eine gewisse Sauerteig-Unverträglichkeit meinerseits, was mir echt sauer aufstoßen würde – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich werde das weiter beobachten. Und überlege in der Zwischenzeit, welche leckeren Brot- und Gebäckrezepte es noch so gibt. Hast du vielleicht eine Empfehlung des Hauses für mich? Schreib mir!

One more Sinn

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