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Ich sehe was, was du nicht siehst …
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»Denn es wird die Zeit kommen, in der die Menschen die unverfälschte Lehre nicht mehr ertragen, sondern für sich selbst massenhaft Lehrer herbeischaffen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt.« — 2.Timotheus 4,3
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Mein Plan war es, diese Woche über ein anderes Thema zu schreiben. Aber mein Ziel ist es, über das Thema zu schreiben, das mich in der vergangenen Woche am meisten beschäftigt hat – und das war tatsächlich erneut Charlie Kirk. Eine Facette davon will ich mir diese Woche näher anschauen: das Framing. Beginnen wir mit drei Meldungen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben.
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Da wäre zunächst die abgesetzte US-Late-Night-Show „Jimmy Kimmel Live“. Knackpunkt ist das von Kimmel thematisierte Attentat Kirks in seiner Late-Night-Show. Die Tagesschau zitiert ihn wie folgt:
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„Wir hatten am Wochenende einige neue Tiefpunkte, als die MAGA-Gang (damit sind die führenden Akteure und Anhänger von Donald Hmpfs ‚Make America Great Again‘-Kampagne, Anm.) verzweifelt versuchte“, den Mann, der Charlie Kirk ermordet habe, „als alles andere als einen von ihnen darzustellen und alles Mögliche tat, um daraus politisches Kapital zu schlagen“, sagte er.
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Währenddessen in Spanien: „Ein Land an der Seite der Palästinenser“, titelte die Tagesschau am gestrigen Donnerstagmorgen. Aufhänger war der Stopp des Radrennens Vuelta durch Spaniens Pro-Palästina-Bewegung. Das Ziel der Aktivisten? „Was wir wollen, ist, dass Israel von allen kulturellen, sportlichen oder Bildungsveranstaltungen ausgeschlossen wird“, sagt BDS-Aktivistin Marisa Moro.
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Unterstützung bekamen sie vom sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez, der der spanischen Zivilgesellschaft „Respekt und tiefe Bewunderung“ zollt. Sie hätte gegen Ungerechtigkeit mobilisiert und ihre Ideale friedlich verteidigt. Wer denkt, die Aktivisten und der Ministerpräsident repräsentieren eine Minderheit der Bevölkerung, der irrt:
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Sein Volk hat Sánchez hinter sich. Carmen González Enríquez vom „Königlichen El Cano Institut“ erklärt, dass in einer Umfrage im Juli dieses Jahres 82 Prozent der Spanierinnen und Spanier das Vorgehen Israels in Gaza als Genozid beurteilen.
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Und dann wäre da noch eine deutsche Debatte rund um die Journalistin Julia Ruhs. Sie arbeitet für den Bayerischen Rundfunk (BR), der mit ihr als Moderatorin drei Pilotfolgen der neuen Sendung „Klar“ produzierte. Das Besondere daran: Ruhs bezeichnet sich als „Mitte-rechts“ und möchte mit dem neuen Format Menschen zurückgewinnen, die sich von öffentlich-rechtlichen Medien abgewendet haben. (Passend dazu hat sie vor einem Monat ein Buch mit dem Titel „Links-grüne Meinungsmacht: Die Spaltung unseres Landes“ veröffentlicht.)
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Brisant wurde es nun, als herauskam, dass sie bei den vom NDR produzierten Sendungen nicht mehr als Moderatorin mitwirken darf. Daraufhin sagte sie im Podcast Table Today: „Ich glaube, für den NDR bin ich zu rechts.“ Offenbar halte der NDR weniger Meinungsvielfalt aus als der BR, ergänzt sie. „Für die (vom NDR, Anm.) fängt die Rechtsradikalität wahrscheinlich schon an, wenn man beispielsweise sagt, man findet Positionen von Friedrich Merz gut.“ Dem NDR warf sie vor, „Meinungen zu kriminalisieren, die eigentlich noch Mitte oder Mitte-rechts sind und weit entfernt von extremistischen oder radikalen Positionen“. Autsch.
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Bemerkenswert ist auch der Zuspruch, den Ruhs von namhaften CDU-Politikern bekam. Mehr dazu könnt ihr unter anderem bei der Zeit lesen.
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Was haben die drei Meldungen miteinander zu tun? Sie alle sind Beispiele für den Kampf um die Deutungshoheit. Dabei geht es um die Frage, wie wir gewisse Sachverhalte und Ereignisse verstehen, bewerten und einordnen sollen. Versucht die „MAGA-Gang“ – eine Bezeichnung, die bereits suggeriert, dass es sich hier um Verbrecher handelt – tatsächlich, politisches Kapital aus dem Mord von Charlie Kirk zu schlagen? (Ja.) Ist der Mörder von Charlie Kirk in Wahrheit ein Anhänger der „MAGA-Gang“? (Höchstwahrscheinlich nicht.) Ist Spanien wirklich ein Land an der Seite der Palästinenser? (Ja.) Ist es in Ordnung, Israel von allen kulturellen, sportlichen oder Bildungsveranstaltungen auszuschließen? (Nein.) Hat der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk ein Problem mit konservativen oder rechten Journalisten? (Ja.) Hat der NDR tatsächlich deshalb entschieden, die Moderatorin Julia Ruhs nicht mehr in seinem Format Klar einzusetzen? (Unklar.)
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Am Stärksten ist der Kampf um die Deutungshoheit derzeit bei Charlie Kirk sichtbar. War er vor allem ein Christ, der sich politisch äußerte? Oder ein Aktivist, der christliche Überzeugungen hatte? War er rechtsnational, wie die Tagesschau an einer Stelle schreibt, oder gar rechtsradikal, wie ein Tagesschau-Sprecher an gleicher Stelle – siehe eingebundenes Video – sagt? Hat er mit seinen Äußerungen und Überzeugungen das Land gespalten, wie manche meinen, oder tatsächlich versucht, im Dialog seinem Gegenüber zuzuhören und ihn zu verstehen? War er selbst daran schuld, wie Stimmen suggerieren, wenn sie von „Ja, aber“ schreiben oder sprechen?
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Wie wird Charlie Kirk in die Geschichte eingehen? Als politischer oder als christlicher Märtyrer? Darüber wird gerade heftig gerungen – während die kritische Stimme von Jimmy Kimmel, die Zweifel und Spott säte, gecancelt wurde. Zu Unrecht oder zu Recht? Fragen über Fragen.
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Hier bei Transit Times kann ich auf diese komplexen Fragen (noch) keine klaren Antworten geben, das wäre verfrüht. Aber du merkst vielleicht, wie wichtig die uns angebotenen Deutungsrahmen sind, durch die wir die Sachverhalte und Ereignisse verstehen, bewerten und einordnen sollen. Und wie sie manchmal auf unsere eigene Weltsicht (auch ein Deutungsrahmen!) prallen. Denn wir alle haben eine Brille auf, durch die wir die Welt sehen, deuten und unser Handeln rechtfertigen.
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Mir hilft da, um auf vergangene Woche zurückzukommen, die Frage nach der Zugehörigkeit weiter. Wenn ich mich dem politisch linken oder rechten Lager zugehörig wähne, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich an der einen oder anderen Stelle die jeweils andere Seite als mein Feindbild betrachte. Wenn ich hingegen diese Ebene verlasse, kann ich (an)erkennen, dass sowohl die linke als auch die rechte Seite sich gerade nicht mit Ruhm bekleckert. Weder bei Charlie Kirk noch bei Julia Ruhs.
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Am Schlimmsten jedoch ist für mich festzustellen, dass in Spanien die ablehnende Haltung gegenüber Israel sowohl bei linken als auch bei rechten Wählern vorherrschend ist. Und auch hier nehme ich das als Ausdruck eines Zugehörigkeitsverständnisses wahr (auf wessen Seite stehst du?), welches durch den Deutungsrahmen der Politik und Medien über Generationen hinweg kultiviert und zementiert wurde.
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Es ist also von entscheidender Bedeutung, welches uns politisch und medial angebotenes Framing wir annehmen. Die Frucht davon erkennen wir manchmal leider erst einige Jahre später, wie uns der Blick in die Vergangenheit unserer eigenen Geschichte schmerzlich lehrt. Hoffentlich lernen wir daraus.
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Die Frage, die ich mir abschließend stelle: Wem oder was schenken wir unseren Glauben? Worin vertrauen wir? Bei der Fülle an medialen Inhalten, politischen Statements und Co. ist die Wahrheit zunehmend umkämpft. „Truth must be framed effectively to be seen at all“, sagte der US-amerikanische Linguist George Lakoff. Dahinter verbirgt sich der Versuch, eine progressive politische Agenda voranzutreiben, was in meinen Augen bedeutet, die Wahrheit für eigene Zwecke zu instrumentalisieren – und für mich somit den Anfang vom Ende darstellt. Aber vielleicht verstehe ich das Zitat auch falsch? Wie siehst du das? Schreib mir gerne deine Sichtweise auf dieses komplexe Thema.
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Hören.
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Apropos ungewöhnliche Stimme (letzte Woche!): Die Stimme von Frontsänger Bear Rinehart der US-Band Needtobreathe ist ein absoluter Genuss für die Ohren. Auch lyrisch weiß das Lied Momma loves me zu überzeugen. Solltest du dir nicht entgehen lassen.
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Sehen.
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Ich hatte überlegt, an dieser Stelle ein KI-generiertes Video zu teilen, das uns verrät, was Charlie Kirk uns vom Himmel aus zu sagen hätte. Während die Antwort, gesprochen in der Stimme von Charlie Kirk, inhaltlich überzeugend und stimmig anmutet (und vermutlich gerade deshalb so viele Zuschauer berührt, sogar in Gottesdiensten), überzeugt mich weder die Influencerin, die das Video geteilt hat, noch die Plattform TikTok, auf der sie es geteilt hat (dort konnte ich das Original jedoch nicht mehr finden) noch YouTube, das neuerdings im uneingeloggten Zustand Videos für uns automatisch auf Deutsch übersetzt (nervt!). Am Kritischsten sehe ich die Rolle der KI in dieser Angelegenheit - und unsere achtlose Rezeption dieses künstlich kreierten Inhalts. Und genau über dieses Thema werde ich in einer der kommenden Editionen ausführlicher schreiben. (Danke für deine Anfrage, Jakob!)
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Fühlen.
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Fühl' ich gerade voll: die Sonne.
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Fühl ich so gar nicht: KI-generierte Medien.
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Riechen.
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Vor ein paar Tagen haben wir einige ältere Holzreste verbrannt. Den Geruch habe auch Tage später noch in der Nase.
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Schmecken.
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Kra Prao. Ein absolutes Gedicht, dieses Gericht von Anabelle's Asialaden, dem mit Abstand besten asiatischen Restaurant hier in Rheinbach.
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One more Sinn
Ich kann mich noch gut an den Moment erinnern: Da stand ich also vor dem Regal meines kleinen Büros in unserer Bonner 3-Zimmer-Wohnung und nahm meinen inneren Unfrieden wahr. Für mich war das ungewohnt und unangenehm. Sehr unangenehm. So unangenehm sogar, dass ich just in diesem Moment mein fundamentales Wertesystem änderte. Bis dato waren Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit für mich die drei wichtigsten Kernwerte meines Lebens und Handelns. Doch dort, vor dem Regal, begriff ich auf einmal, dass alles verblasst, wenn ich keinen inneren Frieden habe. Also tauschte ich Freiheit gegen Frieden aus – und jagte dem abhandengekommenen Frieden so lange nach, bis er wiederhergestellt war.
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Rückblickend wurde mir klar, warum ich Frieden nicht schon früher als einen meiner Kernwerte definiert hatte: Weil ich ihn für selbstverständlich nahm. Damals, es muss 2015 oder 2016 gewesen sein, war die Welt verglichen mit heute noch in Ordnung. Und auch innerlich war bei mir alles im Lot. Schon früh verstand ich, dass nicht das Haschen nach Glück entscheidend ist, sondern das Suchen nach Zufriedenheit. Während das eine nur für einen kurzen Moment verweilt, beschreibt das andere einen länger anhaltenden oder andauernden Zustand. Wie wichtig dieser Zustand ist, verstand ich erst Jahre später, als ich vor dem Regal in unserer 3-Zimmer-Wohnung stand.
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Augen|klick
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Ab sofort werde ich ein Foto mit euch teilen, das ich in der vergangenen Woche gemacht habe. Die Geschichte hinter dem ersten Foto? Dieser Igel hat uns die vergangenen beiden Tage im Garten beglückt. Für unsere Kinder und Nachbarskinder war er die absolute Attraktion, auch für mich. Und wusstest du, dass Igel Rührei essen?
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