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Reframe the question

»Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu suchen, sondern mit neuen Augen zu sehen.«
— Marcel Proust
iGude!

Donald Hmpfs Friedensplan für den Gazastreifen war sicher die wichtigste Meldung der vergangenen Woche. Seitdem schweigt die Hamas größtenteils und berät, wie sie darauf reagieren soll. Und erstmals seit langer Zeit scheint sie medial in der Defensive zu sein, denn: Das Bemerkenswerte an dem Friedensplan ist die breite Zustimmung, die er von nahezu allen Seiten erhält – einschließlich der arabischen Welt. Well done, Donald Hmpf? We’ll see.

Persönlich hat mich unsere Umzugssituation (siehe letzte Woche) mit Abstand am meisten beschäftigt – physisch wie psychisch. Auf der einen Seite haben wir 80 Prozent unseres Miethauses in eine dreistellige Anzahl an Kartons verpackt. Auf der anderen Seite schwelt die Ungewissheit, wann der Umzug endlich stattfinden darf. Ready to move, but waiting to do so.

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Das hat sich auch auf meinen Schlaf ausgewirkt. Mal liege ich ein paar Stunden in der Nacht wach, mal wache ich zu früh auf und kann nicht mehr einschlafen. Immerhin habe ich die Zeit genutzt und in den vergangenen drei Tagen jeweils anderthalb Stunden lang die viereinhalbstündige Podcast-Episode mit dem Telegram-Gründer Pavel Durov gehört. Well done, Lex Fridman. Well, almost … Let me explain:

Lex Fridman spricht wie ein Roboter, emotionslos und ohne Intonation, also ohne Melodie in der Stimme. Das ist really annoying oder zumindest mal not my style. Abgesehen davon ist er ein guter Host, stellt oft die richtigen Fragen und hat ein echtes und aufrichtiges Interesse daran, Dingen auf den Grund zu gehen und sie in der Tiefe zu verstehen. Was ich sehr schätze. Im Fall Pavel Durov hätte ich mir jedoch eine für mich sehr zentrale kritische Nachfrage gewünscht, die die gesamten viereinhalb Stunden lang ausblieb: Warum widmest du dein Leben der Entwicklung einer Messenger-App, obwohl du persönlich das Smartphone nahezu vollständig meidest?

Das Paradoxe an den Chefs der großen Technologie-Plattformen und sozialen Netzwerke: Sie alle wissen, wie toxisch sie sind, weshalb sie es ihren eigenen Kindern verbieten, sie zu nutzen – oder die Nutzung zumindest streng limitieren (der Parenting-Aspekt dahinter ist eine eigene Transit Times-Edition wert!). Hier eine sechs Jahre alte Meldung, die das sehr deutlich macht:
Nicht darin erwähnt: Elon Musk. In einer seiner früheren Biografien las ich, dass er eine simple Regel hatte: Seine Kinder bekommen genau so viel Screentime (Bildschirmzeit) wie sie gedruckte Bücher lesen. Ziemlich clever, würde ich sagen. Elon Musk selbst hat schon als Kind viele komplizierte Bücher aus der Erwachsenenwelt gelesen, daher weiß er um den Wert von Büchern. So wie Pavel Durov, der Telegram-Gründer. Hence meine Nachfrage.

Pavel, der aus Russland stammt und von dort vertrieben wurde, würde vermutlich mit „Freedom of Speech“ antworten. Vielleicht reicht das Argument auch schon aus, um diesen Widerspruch bzw. seine persönliche Diskrepanz zu entkräften. Was meinst du?

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Mitgenommen habe ich aus der Episode einen weiteren Aspekt, den ich abschließend mit dir teilen möchte: Wenn dir zwei (unbefriedigende) Optionen präsentiert werden, bei denen nur eine schlechte Wahl resp. das kleinere Übel möglich sind, dann „reframe the question“. Oder wie ich einem gedanklich erzwungenen und vermeintlich alternativlosen Dualismus entgegnen würde: Finde Option C.

Zugegeben: Nicht immer gibt es eine dritte Option (jedoch öfter als du denkst!). Aber wenn wir die Umstände nicht ändern können, hilft es durchaus, die Situation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Und dazu brauchen wir andere Fragen.

Nehmen wir zum Beispiel die Frage „Brauche ich ein Smartphone oder kann ich auch ohne leben?“ Für wenige von uns ist ein Leben ohne Smartphone realistisch. Für die meisten Menschen dürfte die Antwort simply „Ich brauche es (blöde Frage!)“ lauten.

Nun lasst uns die Frage mal reframen und schauen, was passiert:
  • Brauche ich ein Smartphone, um …? Hier erweitere ich die Frage um eine Zielsetzung: z.B. um etwas nachzuschauen, mich abzulenken oder mit anderen zu kommunizieren.
  • Anders formuliert: Wenn ich mit anderen kommunizieren möchte, was hilft mir dabei oder was brauche ich dafür? Diese vom Ziel her gedachte Fragestellung führt direkt zur Frage, welche Art von Kommunikation mir wichtig ist. In meinem Fall: tiefe Kommunikation. Ist eine Messaging-App wie die von Pavel Durov dabei hilfreich? … Merkst du, wie deine Hirnzellen in Bewegung kommen?
  • Was ist die Konsequenz, wenn ich ein Smartphone nutze? Auch eine legitime Frage, die ich mir stellen kann – und zu weiteren Fragen führt. Fragen wie „Welche Vor- und Nachteile entstehen mir bei (Nicht)Nutzung des Smartphones? Wie viel/oft/lange nutze ich mein Smartphone? Warum nutze ich es so oft? Will ich das überhaupt? Wie könnte ich die Nutzung reduzieren?“ (Hier predige ich vor allem zu mir selbst!)
  • Wer profitiert eigentlich davon, wenn ich ein Smartphone nutze? Ich? Meine Freunde? Die Chefs der milliardenschweren Hersteller? Die („Sozialen“) Medien, Aktivisten und Politiker? Die Produzenten von Konsumgütern?
  • Welche Gefühle schwingen bei der Nutzung eines Smartphones mit? Habe ich beispielsweise FOMO, also die Angst etwas zu verpassen? Welches Bedürfnis steckt hinter dieser Angst oder einem anderen aufkommenden Gefühl (eine typische Coachingfrage ;) )? Brauche ich es, um ein ansonsten hochkommendes Gefühl zu betäuben? Etwa Trauer oder Einsamkeit? Habe ich Menschen in meinem Leben, mit denen ich darüber sprechen kann? Wie fühle ich mich nach der Smartphone-Nutzung? Übel und übersättigt wie nach einer ganzen Tüte Chips? Oder neidisch, wenn ich sehe, wie gut es allen anderen angeblich zu gehen scheint? Fragen über Fragen.
Ich hoffe, dass du zumindest eine Idee davon bekommen hast, wie interessant ein simples Reframing der Ursprungsfrage sein kann. Ich für meinen Teil musste der Versuchung widerstehen, mich an ChatGPT für Beispiele des Reframings der besagten Frage zu wenden. Auch so ein Thema für sich.

Du siehst: Allein dieser eine Gedanke aus der Podcastepisode mit Pavel Durov hat bei mir bereits eine Menge angestoßen. (Und die Episode enthält noch viele weitere spannende Aspekte.) Welche Fragestellung bewegst du aktuell? Wie könntest du sie reframen? Und was verändert sich dadurch bei dir gedanklich? Erzähl mir gerne davon!

Bis nächste Woche,

Dein Daniel

PS: Aus reiner Neugier und eigener (Pl)Ahnungslosigkeit: Wie feierst du den heutigen Feiertag, den Tag der Deutschen Einheit?

Hören.

Nach (für meine Verhältnisse) langer Zeit habe ich mal wieder eine Podcast-Episode gehört. Denn: Pavel Durov interessiert mich sehr. Und ich beobachte mit Skepsis das negative Framing, das Telegram bis vor dem Krieg in der Ukraine bei den etablierten Medien wie der Tagesschau genossen hatte. Zu Unrecht, wie ich finde. (Trotzdem ist Threema klar die Messenger-App meiner Wahl, insbesondere für private Gespräche.)

Was das Hören von Podcasts anbelangt, nutze ich die App Pocket Casts. In diesem Fall habe ich mir die ersten 15 Minuten bei YouTube angeschaut (auch für Non-Techies sehr hörenswert!) und dann zu Pocket Casts gewechselt.

Sehen.

"Von Klein auf schon war der Glaube mir immer sehr sehr wichtig", sagt Fußballer Benjamin Henrichs nach einer Minute in der MDR-Doku "Fußballprofi Benjamin Henrichs - Vom Verletzungsschock zum Comeback-Traum".

Die 30-minütige Doku des Öffentlich-Rechtlichen kann ich allen Fußballfans nur Wärmstens ans Herz legen. Nach einigen wie ich finde berechtigten Kritikpunkten am ÖRR ist das mal ein willkommener Lichtblick, den es in der Form anderweitig wohl nicht geben würde.

Bei den externen Dokumentarfilmern Dinah Münchow und Stephan Liskowsky habe ich mich schon persönlich per E-Mail für ihre exzellente Arbeit bedankt.

Fühlen.

Fühl' ich gerade voll: ne Menge.

Fühl ich so gar nicht: Umzugsunklarheit.

Riechen.

Das Mittagessen. Diese Edition muss dringend raus, bevor es fertig ist. Gogogo!

Schmecken.

Essen ist fertig, ich muss los ... (das Folgende hatte ich bereits geschrieben :) ) Bin dankbar fürs Essen!

One more Sinn

Ja, die viereinhalbstündige Podcast-Episode mit Pavel Durov ist lang. Und ich sehe schon geistig vor mir, wie manch einer mit den Augen rollt, genervt abwinkt und sagt „Viel zu lang!“ Dieses Argument begegnet mir auch bei meinen länger werdenden Podcast-Episoden immer häufiger. „Mach die Episoden kürzer, dann würde ich es mir auch anhören.“ Die Kritik an Podcastern wie Lex Fridman und mir ist tatsächlich viel mehr eine Selbstkundgabe: Ich kann mich nicht (mehr) so lange auf ein Thema oder eine Person konzentrieren und ich will es auch gar nicht und fertig. Was mir zu denken geben würde. Denn manche komplexen Sachverhalte kannst du erst in der Tiefe verstehen – und die wiederum erreichst du nur dann, wenn du dir die Zeit dafür nimmst.

Mein Philosophieprofessor sagte mal zu Beginn einer Vorlesung: „Ihr Studenten seid heute nicht mehr in der Lage, ein ganzes Buch durchzulesen.“ Das rüttelte mich wach. Noch am gleichen Tag setzte ich mich hin und las ein ganzes Buch bis tief in die Nacht durch. Am Stück. Zugegeben: Das lässt sich als Student deutlich leichter realisieren als als Vater oder Mutter von Babys und kleinen Kindern. Aber wenn ich diesen Muskel nicht trainiere, sondern mit Insta und Co. sogar kontinuierlich abbaue, dann erschlafft er. Das gilt im Übrigen auch für die Fähigkeit, länger zuzuhören.

Augen|klick

Hier mal ein Foto, das während unserer Umzugsvorbereitungen entstanden ist. Das Umzugsmonster sieht aus wie ich mich fühle. Trotzdem cool, die zufällig entstandene Kreativität auf diesem Foto festhalten zu dürfen.
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