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Die Kunst des aktiven Vertrauens

»Wenn uns das Vertrauen fehlt, geschieht in unserem Leben bereits, was wir nicht wollen.«
— Byron Katie
iGude!

Die letzten Wochen war unser Haus gut gefüllt mit Handwerkern. Und was soll ich sagen? Irgendwann wird man müde, denn all diese Begegnungen und Baustellen im Haus, sie strengen an. Einen vorläufigen Höhe- oder vielmehr Tiefpunkt erreichte ich, als der Elektriker, der einen neuen Verteilerkasten installierte, eine Folgerechnung in vierstelliger Höhe schickte – die die Vermieterin, oder vielmehr deren Betreuer, ablehnte.

Was nun? Der kleine Daniel, das Kind-Ich in mir, will dann nur noch weg, oder wie Xavier Naidoo einst sang: „Raus aus dieser Scheiße hier – doch ich weiß nicht wie das gehen soll.“ (Apropos Scheiße: Just in dem Moment, wo ich diese Zeilen schreibe, sind andere Handwerker hier im Haus, die den Revisionsschacht im Keller zumachen. Der war nämlich, warum auch immer, nicht verschlossen, und so erlebten wir einen Tag vor Silvester unser blaues äh braunes Wunder. Aber lassen wir dieses Fass lieber verschlossen.)

Anstatt davonzurennen, was nur selten Probleme löst, ist es eine wichtige Fähigkeit, uns unangenehm empfundenen Situationen zu stellen. Mit unangenehm meine ich Angst. Und oft ist es die Angst vor der Wut oder der Scham, hier geht’s also wirklich ans Eingemachte unserer Gefühle.

Was für manch einen also eine Kleinigkeit wäre (was auch an einem mangelhaften Zugang zu den eigenen Gefühlen liegen kann und keineswegs ein souveräner, reifer Umgang bedeuten muss), war für mich Ausdruck einer inneren Entwicklung, die ich in den letzten Jahren genommen habe: Ich griff zum Hörer und scheute den potenziellen Konflikt nicht. Vor einigen Jahren wäre mir das noch weitaus schwerer gefallen.

Was genau sich verändert hat? I’m glad you asked. Vieles. Einen Aspekt jedoch, den ich in den letzten Jahren zunehmend entdecke, möchte ich heute näher beleuchten: die Kunst des aktiven Vertrauens. You see, Vertrauen finden wir alle gut, ich jedoch habe nie so richtig darüber nachgedacht, was das eigentlich ist. Irgendwie ist es da, dann plötzlich nicht, mal schwindet es, dann wächst es wieder, irgendwie so halt. Durch die mangelnde Bewusstheit wird Vertrauen so zu etwas passivem, da ich keinen Einfluss darauf habe.

Vertrauen ist jedoch etwas zutiefst Aktives, wofür ich mich als erwachsener, mündiger und reifer Mensch bewusst entscheiden kann. Für mich stellt Vertrauen den größtmöglichen Stellenwert in einer Beziehung dar. Vertrauen ermöglicht uns, in Kontakt, in Beziehung, in Bindung mit uns selbst und unserem Gegenüber zu treten. Und zwar auf eine echte und empathische Weise.

Entscheidend ist für mich dabei, worin bzw. worauf ich vertraue. Vertraue ich darauf, das Gespräch führen und mit potenzieller Zurückweisung oder Ablehnung umgehen zu können? (Umgang mit Angst und Scham!) Vertraue ich darauf, dass mein Gegenüber ein Mensch und kein Arsch ist? Dass Menschen eben im Kern nicht böse sind, sondern auch gut sein können? Je nach Weltbild (letzte Transit Times-Edition!) prägt das meine Fähigkeit zu vertrauen – und entsprechend auch meine Fähigkeit zu handeln.

Achtung: Vertrauen ist keine Einbahnstraße – und fängt bei mir selbst an. Es ist von entscheidender Bedeutung, ob ich auch mir selbst vertraue. Meinen Motiven, meinem Umgang mit Gefühlen (die kommen, wenn ich Ablehnung oder Gegenwehr erfahre), meinen Fähigkeiten, ruhig und respektvoll zu bleiben. Wenn das nicht gegeben ist, wird’s oft schwierig.

Und dann vertraue ich darauf, dass mein Gegenüber die Fähigkeit besitzt, mir zuzuhören, mich ernst zu nehmen, sich nicht angegriffen zu fühlen und auf mich einzugehen.

Das Ergebnis dieses aktiven Vertrauens war im Falle des Elektrikers eine Win-win-Situation, denn einerseits hat der Elektriker einen Kunden zufriedengestellt und andererseits damit einen langfristigen Kunden hinzugewonnen. Hier ist gegenseitiges Vertrauen in einen offenen, respektvollen Umgang miteinander entstanden. Once again: Ein reifer Umgang mit Angst und Scham war hier essenziell für mich.

Natürlich geht es im Kern nicht um eine Beziehung zu einem Handwerker. Das wäre albern. Aber selbst in diesen kleinen, unscheinbaren Begegnungen zeigt sich, ob ich aktiv vertraue oder nicht. Kurzum: Vertrauen ist etwas zutiefst aktives. Ich vertraue, also handle ich. I trust, therefore I act.

Bist du dir bewusst, worin oder worauf zu vertraust? Hast du Vertrauen in dich selbst? Und mündet dieses Vertrauen in Beziehungen, die tiefer gehen, die echt sind?

Bis nächste Woche,

Dein Daniel

Hören.

Ich freue mich schon sehr auf die neue Single von Stephen Stanley, vermutlich mit dem Titel Nobody's Hopeless. Bis dahin empfehle ich, weil thematisch so passend, einmal mehr den Titel "Gonna have to trust you".

Sehen.

Was für ein Werbespot. Ich stimme den Kommentatoren zu: "Dieser Spot muss in der Werbung im TV erscheinen... das Thema ist so unglaublich wichtig. Der Spot ist Weltklasse.... Dieser Spot benötig noch mehr Bandbreite... in der Öffentlichkeit." und "Er müsste jeden Tag im Fernsehen und online hoch und runter laufen…bis es jeder verstanden hat."

Fühlen.

Aktuell fühle ich mich müde und ausgelaugt. Das liegt vor allem an den Handwerkern, die hier seit Wochen zugange sind – und mindestens den ganzen Januar über noch zugange sein werden. Ich kümmere mich um sie wie eine fürsorgliche Mutter und ein aufmerksamer Bauherr, dabei bin ich nur ein einfacher Mieter.

Riechen.

Zimt. Dieses Gewürz ist der Hammer. Zumindest in Franzbrötchen, Chai und allen anderen Leckereien, die Zimt benötigen (Adventstiramisu! #niceerinnerung).

Bald wird in unserem Wohnzimmer aber ein neuer Geruch einkehren, auf den ich mich auch schon sehr freue. In Kürze dann mehr dazu an dieser Stelle.

Schmecken.

Boah, was für ein leckerer Chai. David Rio Chai. Getrunken in einem Literaturcafé (ebenfalls faszinierend, Buchhandlung und Café ist eine tolle Combo. Sollte Pflicht für alle Cafés sein ;) ). Jedenfalls war der Chai genau nach meinem Geschmack: lecker. Sehrrr lecker.

One more Sinn

Disziplin > Motivation. Und Motivation ≠ Motive. Was ist wichtiger: Disziplin oder Motive?

Augen|klick

Stilvoll oder brutal? So jedenfalls können aufgebohrte Schlitze in der Wand aussehen. Sie machen Dreck, erfordern Lärm und sind sehr anstrengend. Und manchmal stößt man dabei auf überraschende und ungebetene Altlasten, die sich darunter verbergen. Bis daraus wieder eine heile Wand wird, dauert noch ein Weilchen. Fakt ist: Danach wird alles besser. Hoffentlich.
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