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Am KI zum DU

»Die Entwicklung Künstlicher Intelligenz könnte entweder das Schlimmste oder das Beste sein, was den Menschen passiert ist.«
— Sebastian Vettel
iGude!

AI. Das Uberthema dieser Zeit. Gefühlt alles bekommt derzeit künstliche Intelligenz verpasst, es vergeht kein Tag ohne Schlagzeilen zur KI. Höchste Zeit also, mich diesem Thema zuzuwenden.

Anfang September habe ich bereits eine halbe Transit Times-Edition zu KI geschrieben. Doch dann grätschte mir das Leben dazwischen, mit all seinem Umzugsstress, den es für mich bereithielt. Das ist nun größtenteils Geschichte, und doch ist in der Zwischenzeit in mir ein zentralerer Gedanke gereift, den ich gerne mit dir teilen möchte.

Am 23. November 2004 veröffentlichte der Entwickler Blizzard Entertainment in den USA das Multiplayer-Online-Rollenspiel (kurz MMORPG) World of Warcraft. Für mich bedeutete das eine Zäsur, denn: Bis dahin zockte ich viel Warcraft 3, spielte auch online mit einem Freund in einem Clan, wenn auch nur mit mäßigem Erfolg. Doch WoW strahlte andere Vibes aus. Düster, fesselnd, in den Bann ziehend, süchtig machend. Auch wenn es bis dato sicher schon viele Warcraft 3-Suchties gab, antizipierte ich, dass WoW eine völlig neue Ära entfesseln würde. Und so kam es auch.

Ergo verabschiedete ich mich bereits Monate vor dem Release innerlich vom Warcraft-Universum. Warcraft 3 weiterspielen, hätte nur wenig Sinn ergeben, der Nachfolger war zu groß und mächtig, um sich diesem Bann zu entziehen. Du merkst vielleicht anhand meiner Wortwahl, welche Wirkung WoW entfaltete.

Am 30. November 2022, also ziemlich genau achtzehn Jahre später, veröffentlichte das US-Unternehmen OpenAI den für alle Nutzer erstmals frei zugängliche KI-Chatbot ChatGPT. Und was soll ich sagen? Es beschlich mich ein ähnliches Gefühl. Bad vibes. Berechtigt? Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Manche Vorurteile habe ich inzwischen abgebaut, aber Fakt ist: Technologiethemen waren nach meiner Computerspielphase, die 2006 komplett endete, meine große thematische Leidenschaft und fachliche Expertise. Da kannte ich mich aus. Aber ähnlich wie mit World of Warcraft merke ich bei mir selbst, dass ChatGPT erneut eine Zäsur darstellt. Auf meiner Podcast-Playlist sind unzählige Episoden zu KI – gehört habe ich davon in den vergangenen Jahren nahezu keine. Erstmals in der Geschichte langweilt mich Technologie. Dabei dürften die Folgen für die Menschheit weitaus umfassender und tiefgreifender sein als die Einführung von World of Warcraft. (Achtung: Ich sage nicht „verheerender“, denn das ist ja gerade die Frage, die so schwer zu beantworten ist.)

Klar ist, dass derzeit viel Hype und Buzz rund um KI existiert und wir meistens von sogenannten LLMs sprechen, Large Language Models. Das ist nur ein Teil von KI und kein Synonym. Was wichtig zu verstehen ist, denn: Der KI-Hype insgesamt wird, wie das oft mit neuen Technologien ist, kurzfristig womöglich überschätzt, langfristig aber sicher unterschätzt. Wenn noch andere Künstliche Intelligenzen auf den Markt kommen (und das werden sie!), kann das erneut eine Menge durcheinanderwirbeln. Da sind wir längst noch nicht am Ende angelangt, sondern stehen vermutlich eher am Anfang, so mein starker Eindruck.

Anfang Mai fragte ich in Edition Nr. 5 im Zuge von ChatGPT, was uns Menschen zum Menschen macht. Das ist für mich nach wie vor eine der zentralen Fragen. Und je mehr wir Menschen uns mit all unseren Fragen und Bedürfnissen den zahlreichen Chatbots und KI-Anwendungen (Assistenten etc.) zuwenden, desto mehr wende ich mich den Menschen zu. Denn ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir dort viel eher Antworten finden werden, ganz im Sinne von Martin Bubers berühmten Zitat „Der Mensch wird am Du zum Ich“ – und nicht an der Maschine.

Zwei Zutaten, die der Maschine ganz zentral fehlen, sind Weisheit und Empathie. Feingefühl für die Person, ihre Situation, und die je nach Thema betroffenen Menschen. Ein Beispiel: In unserer Wohnsituationsodysee gab es zwei zentrale Begebenheiten, bei denen die rechtliche Einordnung wichtig war. Beide Male befragten wir ChatGPT – und bekamen klar anmutende, leicht verständliche und unterm Strich überzeugende Ergebnisse präsentiert, mitsamt Paragraphen, Vorlagen etc. Doch beide Male wurde diese vermeintliche Klarheit nach einem Beratungsgespräch mit echten Anwälten vom Mieterbund brüchig bis hinfällig. Denn: Beide Male hatte ChatGPT trotz neutralem Prompt einseitige Ergebnisse präsentiert, die zudem keinen ganzheitlichen Blick enthielten. Recht haben und Recht gesprochen bekommen, sind zwei verschiedene paar Schuhe, wie die Juristin vom Mieterbund sagte – und dann etwas sehr Wichtiges ergänzte: „Was wollen Sie eigentlich?“ Sie verstand nämlich, dass wir zwar im Recht sein könnten, was erst mühsam zu erkämpfen wäre, aber es trotzdem manchmal klüger sein kann, davon keinen Gebrauch zu machen. Das nenne ich Weisheit im Urteilsvermögen. Etwas, was ChatGPT nicht annähernd liefern konnte. Es war also eine simple Frage der Frau vom Mieterbund, die uns in dieser Situation komplett umdenken ließ.

Beim zweiten Mal waren wir uns dank ChatGPT sicher, dass alle rechtlichen Argumente und Aspekte auf unserer Seite stehen würden. Doch als wir der Dame vom Mieterbund gegenübersaßen, merkten wir schnell: In Wirklichkeit sieht das ganz und gar nicht so gut aus wie ChatGPT uns hat glauben lassen. Ganz im Gegenteil: Es gab feine Nuancen, die uns sogar nachteilig ausgelegt werden würden. Doch um diese Nuancen zu erkennen, braucht es meines Erachtens die persönliche Begegnung. Etwas, das ChatGPT in der Form (noch) nicht bieten kann. Denn dafür müsste ich ellenlange Texte verfassen, um auch wirklich alles zu berücksichtigen – und würde doch Aspekte vergessen, die ein menschlich versiertes Gegenüber mit ein, zwei gezielten Fragen schnell erfassen würde.

Der Mensch ist mehr als die Summe aus Informationen, er ist fähig zur Transformation. Es geht nicht um Recht haben oder auf Recht pochen (übrigens auch nicht im Ehestreit!), sondern um Veränderung, Verwandlung, Vergebung und Versöhnung. Das sind Dimensionen, die ChatGPT schlicht nicht leisten kann. Die Simulation der Matrix wird mit jedem Versionssprung zweifelsohne besser werden – aber es wird eine Simulation bleiben.

Meine Sehnsucht gilt dem Echten, dem Verletzlichen, dem Menschen. Eine KI mag uns zuweilen dabei unterstützen und lästige Dinge wie stundenlanges Suchen abnehmen. Unterm Strich ist die Maschine für den Menschen da – und nicht umgekehrt. Noch Wichtiger finde ich aber, dass der Mensch für den Menschen da ist, dass wir füreinander da sind. Lass uns das nicht vergessen, sondern vorleben. Auch am heutigen Freitag.

Bis nächste Woche,

Dein Daniel

Hören.

NF is back. My favorite rapper on planet earth (sorry, Alex!). Strong, dark, deep – as always. Faszinierend, wie rough er ist, und dabei trotzdem Raum für Entwicklung lässt. Werde mir die EP in den nächsten Tagen in Ruhe anhören, aber schon beim ersten Hören der Single Fear erkennt man sofort diesen unverkennbaren NF-Style; und Washed Up ist lyrisch das, was viele von uns zu hören brauchen.

PS: Gestern erschien die Podcast-Episode "Vom Gründen und Loslassen" mit mir, drüben beim Sinnkubator-Podcast von Jörg Dechert.

Sehen.

Sorry, aber mir fehlt gerade die Zeit dazu, mir irgendwelche Videos, Serien oder Filme anzuschauen. Ich blicke auf Berge von Umzugskartons (die sich aber bereits rasant reduziert haben) und eine Wohneinrichtung, die immer mehr an (ansehnlicher) Gestalt annimmt. Allein das neue Bücherregal im Wohnzimmer: so sweet! :)

Fühlen.

Dankbarkeit. Für das neue Zuhause, in dem wir sein dürfen. Und dafür, dass es endlich – spürbar – vorangeht!

Riechen.

Gestern roch ich irgendwelche stinkenden Chemikalien, als der alte Teppichvlies mit viel Lärm und Staub entfernt wurde.

Schmecken.

Nach wie vor: das neue Döner-Restaurant hier in Rheinbach. Der Eigentümer hat mich darüber aufgeklärt, dass er das beste Rindfleisch(!) bezieht, das angeboten wird – aus Berlin. Und das schmeckt man!Kalbsfleisch hingegen sei, so der Eigentümer, meist billigstes Gammelfleisch bzw. Resteverwertung. #justsaying

One more Sinn

Heute Morgen las ich, wie selbst empfundenes Leid uns die Kapazität raubt, uns dem Leid anderer zuzuwenden. So nachvollziehbar ich diesen Gedanken auch finde, empfinde ich es eher andersherum: Je besser es uns geht, desto eher neigen wir dazu, gleichgültig gegenüber dem Leid anderer zu werden. Vermutlich findest du in beiden Lagern Ausnahmen, daher ist es kein Schwarz-Weiß. Wichtig ist, dass wir den Blick füreinander nicht verlieren. Wen hast du derzeit im Blick, wer liegt dir am Herzen?

Augen|klick

Am vergangenen Montag war bei uns in Rheinbach einmal mehr der Martinszug. Neben Karneval, mit dem ich gar nichts anfangen kann, ist es DAS Happening hier in Rheinbach. Die ganze Stadt ist auf den Beinen, alle Kindergärten, Grundschulen und sogar der erste Jahrgang einer weiterführenden Schule waren mit selbstgebastelten Laternen dabei. Im Anschluss an die Prozession gibt's noch ein großes Feuer und Weckmänner, ehe unsere Kids mit ihren Freunden durch die Straßen ziehen und schnörzen gehen. Das sind harmonische Kindheitserinnerungen fürs Leben!
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