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Bye bye, Social Media

»(..) Soziale Netzwerke sind legales Crack. Wir werden nicht darauf verzichten.«
Nicole Diekmann
iGude!

Oops, I did it. Ich habe meine letzten beiden verbleibenden Social Media-Accounts gelöscht. LinkedIn und X sind für mich fortan Geschichte – und Teil (m)einer Neuausrichtung oder vielmehr Weiterentwicklung.

Letzte Woche hatte ich bereits angedeutet, dass ich aktuell auf dem Thema Minimalismus rumkaue. Hintergrund ist der angesammelte und zunehmende Ballast, den wir (ich) so mit uns rumschleppen. Also ist Ausmisten angesagt. Sowohl im Physischen als auch im Digitalen.

2009 meldete ich mich bei Facebook ab, noch lange bevor einige sich überhaupt bei Facebook anmeldeten. Damals kamen ganz neu die Quizze auf, und mir war das einfach zu hohl. „Welche Pizza bist du?“, lautete ein Quiz. „Ich bin eine Pizza Funghi“, teilte ein Freund von mir in seiner Timeline. Da meldete ich mich ab – und schaute nie wieder zurück.

Ähnlich erging es mir nun bei LinkedIn, dem vermeintlichen Businessnetzwerk, bei dem ich in etwa einmal pro Monat vorbeischaute und meist für Eigenwerbung (wie diesem Newsletter) nutzte. „Post and ghost“ nennt US-Podcaster Joe Rogan diese „Strategie“. I like.

Noch mehr mag ich es jedoch, intrinsisch motiviert zu sein und integer zu handeln. Und ganz ehrlich? Ich fühle LinkedIn einfach nicht. Trotz hunderter Kontakte, die mir in der Zukunft vielleicht noch nützlich sein könnten. Aber jedes Mal sehe ich dort Beiträge, die vor Schleim nur so triefen. Ekelhaft!

Und dann schickte mir LinkedIn in den letzten Wochen wie einst Facebook ungefragt E-Mails mit dem Hinweis zu, dass X Prozent meiner Kontakte dieses oder jenes Spiel auf LinkedIn gespielt hätten. Donggg! Let’s get out of here!

Das Krasse daran: Dieser Social-Media-Exodus würde vielen von uns guttun, insbesondere auf Instagram, aber nur wenige bringen den Mut auf, fortzuziehen. Zu tief ist man emotional involviert und investiert, Ego, Likes und Dopamin demanden unser Bleiben. Wir sind gefangen. Und finden immer wieder Gründe, warum Social Media an sich ja nicht schlecht ist.

Die schleichende Entmündigung

Bevor ich aber auf andere zeige, denke ich lieber schon weiter – und möchte versierte Transit Times-Leser um Rat fragen. Achtung: Ab hier wird es diesmal ein wenig technisch-nerdig, wenn das nicht dein Ding ist: Alles gut, dann lesen wir uns einfach nächste Woche wieder! 😃

Da mir Datensparsamkeit wichtig ist, Stichwort Datenschutz und Privatsphäre, grüble ich im Hinterkopf über folgende weiteren Veränderungen nach:
  1. Microsoft Windows. Windows 11 ist in Puncto Datensparsamkeit zunehmend eine Katastrophe. Und der ganze KI-Wahn macht das nur noch schlimmer. Aktuell nutze ich auf meinem Hauptrechner noch Windows 10, das letzte Gnadenjahr an Updates läuft bereits. Die Uhr tickt also. Stand heute kommt für mich Windows 11 nicht in Frage. Nur: Linux offen gestanden auch nicht, da würde unter anderem mein vielbenutztes Audio-Schnittprogramm nicht laufen. Bliebe also lediglich der Switch zum Apfeluniversum. Als Student war ich mehrmals kurz davor, allein das nötige Kleingeld hielt mich davon ab. Ist jetzt also der richtige Zeitpunkt? Zugegeben: Das Heil in Apple zu suchen, halte ich für dezent bescheuert – und doch könnte es ein legitimer Switch sein. (Btw: Ein lüfterloses MacBook Air wäre für meine geräuschempfindlichen Ohren eine echte Wohltat.) Wie siehst du das?
  2. Microsoft Office. Die Office-Suite von Microsoft ist ebenfalls aus datenschutztechnischer Sicht eine zunehmende Katastrophe. Dummerweise nutze ich insbesondere Microsoft Word, wo ich gerade diesen Text verfasse, und Microsoft Outlook (Exchange!) nahezu täglich. Und dann wären da noch Teams, OneNote, To-do und gelegentlich Excel. Für das meiste davon gibt es inzwischen gute bis sehr gute Alternativen. Und doch kostet ein Wechsel Zeit und Geld – und bringt gewisse Einschränkungen mit sich. Argh! Gibt es eine alternative Office-Suite, die du empfehlen kannst? Die Angebote von Google kommen für mich noch weniger in Frage, LibreOffice halte ich ähnlich wie Linux für zu krass, weshalb ich am ehesten zu ONLYOFFICE tendiere, was ich bereits vor einigen Jahren mal ausprobierte und fast verwendet hätte. Teams, OneNote und To-do wären darin leider nicht enthalten, aber auch dafür gibt es (gute) Alternativen.
  3. Das Smartphone. Aktuell bin ich mit meinem Smartphone sehr zufrieden. Ich besitze ein Sony Xperia 5 V, tolle Kamera, super Akku, schlankes Design. Aber gerade dem Smartphone schenke ich dann leider doch mehr Aufmerksamkeit als ich eigentlich sollte und wollte. Daher schiele ich mit einem Auge auf das Light Phone III. Dumm nur, dass ich aus Datenschutzgründen statt WhatsApp vor allem den Schweizer Messenger Threema benutze – und zugegeben nur ungern komplett darauf verzichten wollen würde. Was mich zu Punkt. MC03 führt, ein in Kürze erscheinendes Smartphone mit integriertem Datenschutz. „Designed in der Schweiz, gebaut in Deutschland.“ Und somit abgesehen vom stolzen Preis und dem fällig werdenden Abonnement (grrr!) die passende Lösung oder zumindest der ideale Kompromiss, nach der bzw. dem ich aktuell suche? Am besten wäre es natürlich, sein Smartphone einfach deutlich weniger zu benutzen oder gar nicht erst eines zu besitzen (Grüße gehen raus an Peter und Sabine!). Aber das stellt für mich ähnlich wie Linux oder Mastodon nur bedingt die Lösung dar. Denn selbst wenn ich mein Smartphone nur sporadisch verwenden würde, sammeln im Hintergrund heimlich, still und leise zahlreiche Unternehmen fleißig Daten – ohne dass ich darauf einen Einfluss habe. Ähnlich wie bei Windows 11 kann man als Wissender Vieles im Einstellungsdschungel deaktivieren oder anderweitig unterbinden. Aber das setzt Ahnung und Zeit voraus, und kann mit jedem Update wieder unbemerkt hinfällig geworden sein. Ich würde meine Zeit gerne anderweitig investieren …
  4. Outlook Lite. Um nur ein Beispiel zu nennen: Mein Microsoft Exchange-Postfach verwende ich auf meinem Smartphone via Outlook Lite. Das ist die deutlich datensparsamere Variante im Vergleich zu Outlook. Doch ausgerechnet die wird jetzt in Kürze eingestellt. Na toll! Die anderen E-Mailclients im Androiduniversum sind zum Teil von fragwürdigen Anbietern oder bei weitem nicht so ausgereift (beispielsweise Thunderbird). Und Proton Mail würde mich direkt weitere 10 Euro/Monat kosten, also mehr als doppelt so viel wie ich aktuell für die europäische MS Exchange-Lösung pro Monat bezahle. Was tun? Bedenke: Ich nutze das ganze Zeugs beruflich, sowohl für Podcasting und Videoschnitt als auch für Coaching und Videokonferenzen.
Zugegeben: Manche Probleme mögen für dich wie Luxusprobleme erscheinen. Manche Gefahren muten abstrakt an, manche Bedenken unnötig kompliziert. Daher lege ich diesen Gedankengang einmal transparent offen, um mich auch von dir, lieber Leser, hinterfragen zu lassen – um am Ende dieses gedanklichen Prozesses hoffentlich gereifte Entscheidungen treffen zu können.

Zum einen merke ich, wie ein möglicher Betriebssystemwechsel in mir viel Unmut erzeugt. Zu tief bin ich verstrickt in die Welt von Windows, mit all den tollen kleinen Apps (PowerToys! PicPick! KeePass!) und den einstudierten Shortcuts und Workflows, die meinen Arbeitsalltag leichter machen. Zum anderen finde ich genau das beunruhigend. Wie schwer es geworden ist, zu wechseln. Auszusteigen. Warum? Weil es mich etwas kostet. In diesem Fall zum einen viel Zeit zum Umgewöhnen und zum anderen womöglich auch ordentlich Geld, da ich für meine beruflichen Tätigkeiten manche Apps neu oder erstmals kaufen müsste. Daher will ich hier wohlbedacht handeln – und hoffe auf deine konstruktiven Anmerkungen, die mich weiterbringen. Vielen Dank!

Bis nächste Woche,

Dein Daniel

PS: Um der Vollständigkeit halber das mit X (ehemals Twitter) noch zu erwähnen: Damals, 2009, war ich nach meinem Facebook-Exodus ein großer Twitteraner. Doch vor einigen Jahren löschte ich meine vierstellige Anzahl an Tweets und kehrte Twitter noch lange bevor es Elon Musk übernahm den Rücken, ließ dabei den Account aber bestehen. Immerhin hingen zu Spitzenzeiten rund 1.500 Follower an dem Account (ich habe also eine vage Idee, warum es vielen so schwer fallen könnte, ihren Instagramaccount zu löschen). Aber ganz ehrlich? Das ist kein ausreichend guter Grund, um den nichtgenutzten Account weiterhin am Leben zu erhalten. Also weg damit. Die besten Tweets habe ich übrigens hier zusammengetragen.

PPS: Der Social-Media-Exodus und die weiteren digitalen Überlegungen sind nur ein kleiner Teil eines sehr viel ganzheitlicheren Bestrebens, aus weniger mehr zu machen. Du wirst in den kommenden Editionen sicher mehr davon lesen.

»Die Sozialen Medien sind ein furchtbares Gift. Sie haben eine derart beiläufige Grausamkeit eingeschleppt, eine Manie, die so leicht zu manipulieren ist – das bereitet mir große Sorgen.«
Angela Nagle

Hören.

Nach sechs Jahren isses soweit: Das neueste Lied von Xavier Naidoo ist da. Endlich! Lief bei mir beim Ausmisten im Keller auf Dauerschleife. Sehr zu empfehlen. Für alle Hater: Ich liebe die Musik von Xavier Naidoo. Für mich ganz klar der beste deutsche Musiker. Mit Abstand.

Sehen.

Wie kann ich besser mit meiner Mutter kommunizieren? Dieser Superbowl-Werbespot von ChatGPT-Konkurrent Claude hat es in sich. Darin nimmt Claude-Entwickler Anthropic das Unternehmen OpenAI aufs Korn. Denn: Die Antworten von ChatGPT werden in der kostenlosen Variante in Kürze Werbung enthalten. Ein durchaus heikles Unterfangen.

Claude jedenfalls greift hier ordentlich an (marketingtechnisch äjußerst clever!). Ob es ChatGPT zerstört, wie manche tollkühn behaupten, wage ich zu bezweifeln. Sehenswert sind die vier Ads jedenfalls allemal. (Danke, lieber Andy, für den Hinweis!)

Fühlen.

Ich schummel jetzt mal ein wenig und packe hier ein Video rein, das ich heute gefühlt habe: eine Art Kurzdoku zum kommenden Album der US-amerikanischen Rockband NEEDTOBREATHE namens "The Season of The Ong Surrender". Fühl' ich gerade voll!

Riechen.

Ich rieche Unmut. Manche Aussagen dieser Edition dürften auf Widerstand stoßen, was nur allzu verständlich ist. Vielleicht ja, weil es einen wunden Punkt trifft? ...

Schmecken.

... Das Ding ist: Aktuell sind geschätzt über 31 bis hin zu 47 Millionen Nutzer monatlich auf Instagram aktiv. Nach meinem Geschmack sind das deutlich zu viele.

One more Sinn

In Puncto Datenschutz und Privatsphäre begegnet mir noch heute immer wieder das Argument „Ich hab doch nichts zu verbergen“. Edward Snowden entgegnete dem: „Zu argumentieren, dass Sie keine Privatsphäre brauchen, weil Sie nichts zu verbergen haben, ist so, als würden Sie sagen, dass Sie keine Meinungsfreiheit brauchen, weil Sie nichts zu sagen haben.“ Das oben erwähnte Unternehmen Punkt spitzt es etwas anders treffend zu: „Nothing to hide. Plenty to withhold.“

Das Ding ist: Wenn du nichts zu verbergen hast, kannst du mir gerne mal deinen Kontostand zeigen. Oder einfach mal nackt durch die Straßen laufen. Spätestens dann wirst du merken, dass du sehr wohl etwas zu verbergen hast. Und dass es aus gutem Grund dein Recht ist, private Details nicht standardmäßig preisgeben zu müssen.

Weniger drastisch gesprochen gehen die an mich adressierten Briefe weder den Briefträger noch sonst wen (Google!) etwas an – ganz gleich ob der Inhalt harmlos oder heikel ist. Sich dieser Privatsphäre wissentlich und willentlich zu entledigen, ist eine gefährlich ignorante Gleichgültigkeit und selbstverordnete Unmündigkeit – und wird spätestens dann, wenn politische oder wirtschaftliche Kräfte diese Naivität ausnutzen wollen, verheerende Konsequenzen haben.

Und genau das ist das Problem dabei: Das Ausbleiben von nachteiligen Konsequenzen bestärkt die Verfechter des Nothing-to-hide-Arguments. „Für viele ist Freiheit so selbstverständlich, dass die Notwendigkeit, sie zu schützen, nicht gesehen wird“, schreibt Threema im lesenswerten Blogartikel treffend. Aber: „Beim Schutz der Privatsphäre geht es nicht darum, Fehlverhalten zu verbergen oder illegale Aktivitäten zu verschleiern, sondern darum, die Entscheidungshoheit zu behalten, Ihre Daten und die Freiheit zu schützen sowie die Macht zu begrenzen, die andere über Sie haben. Es geht darum, die Kontrolle über die eigenen Daten zu behalten, selbst zu entscheiden, wie sie genutzt werden, und sie zurückzufordern, wenn man das möchte. Denn auch wenn Sie nichts zu verbergen haben, haben Sie sehr wohl etwas zu schützen.“

Augen|klick

Auch an dieser Stelle schummle ich einmal und poste kein Foto von mir, sondern eine Grafik von SWR3. Damals gesehen auf, wie passend, LinkedIn. Eine neuere Version hat Hochmut mit ChatGPT ersetzt, was ich passender finde. Je nach Sichtweise hätte ich LinkedIn ohnehin eher zu Neid gepackt. Aber da ist ja schon Instagram. ;) Und, wie viele Todsünden treffen bei dir zu?
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