|
|
|
|
|
Everything Everywhere All at Once
|
|
|
|
|
»Mit der Reife wird man immer jünger« — Herrmann Hesse
|
|
|
|
|
|
Den Film habe ich bislang noch nicht gesehen, den Titel hingegen finde ich klasse – und für die heutige Edition sehr passend. Vor zwei Wochen zitierte ich noch den bekannten Vers aus Herrmann Hesses Gedicht Stufen: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Little did I know den Rest des großartigen Gedichts. So here we go:
|
|
|
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern. Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe Bereit zum Abschied sein und Neubeginne, Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern in andre, neue Bindungen zu geben. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, Der uns beschützt und der uns hilft zu leben. Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, An keinem wie an einer Heimat hängen, Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten. Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen, Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen. Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde Uns neuen Räumen jung entgegensenden, Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden … Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
|
|
Früher™, als ich noch in die Schule ging, hätte ich dieses Gedicht weder verstanden noch gefühlt – und somit nichts damit anfangen können. Heute spricht es mir aus der Seele, und ich fühle mich beim Lesen verstanden.
|
Die Midlife-Crisis trauert den vertanen Chancen und verflogenen Träumen hinterher. Und ja, manchmal ist es dran, Träume wiederzuentdecken, dafür werbe ich auch als Coach. Gleichzeitig ist es manchmal auch dran, loszulassen, weiterzuziehen – und sich auf Neues einzulassen.
|
Jede Phase im Leben ist genau das: eine Phase. Sie fängt irgendwann an und hört irgendwann wieder auf. Sie loszulassen, fällt schwer, I know. Ich bin jetzt 39 Jahre alt, keine 19 mehr – und das merke ich. Aber guess what? Das ist okay so.
|
- Geliebter Sohn (Kindheit) – Ein kleiner Junge muss wissen, dass sein Vater Freude an ihm hat.
- Cowboy-Phase (beginnt in der Pubertät) – Eine Zeit voller Abenteuer, harter Arbeit und Risiken.
- Krieger-Phase (etwa im Alter von 19 bis Anfang 20) – Junge Männer brauchen eine Mission, ein Ziel, etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt. Diese Phase sollte am besten vor der Liebhaberphase durchlaufen werden.
- Liebhaberphase (20er bis 30er Jahre) – Das Erwachen des Herzens. Dies kann sich in einer Liebe zur Poesie, zur Natur, zur Musik ... und schließlich zur Romantik äußern.
- Königphase (40er bis 60er Jahre) – In dieser Phase sind der Charakter des Mannes und seine Aufrichtigkeit so weit geformt, dass ihm Macht, Geld und Einfluss anvertraut werden können. Dies ist eine schöne, anspruchsvolle Phase, die Weisheit und Selbstlosigkeit erfordert.
- Die Phase des Weisen (ab etwa 60) – Der silberhaarige Weise tritt beiseite, um jüngeren Männern die Last zu überlassen, aber er ist wegen seiner Weisheit und seines Rates sehr gefragt.
Tja, was soll ich sagen? Bei mir beginnt also in gut einem halben Jahr die Königphase. Eigentlich ein Grund zur Freude statt zur Krise. Entscheidend fürs innere Empfinden ist die Fähigkeit zum Abschied, wie Herrmann Hesse in seiner Weisheit schreibt. Herrmann Hesse war zum Zeitpunkt, als er Stufen schrieb, 63 Jahre alt.
|
Aber Abschied nehmen um des Abschied willens, wäre natürlich sinnfrei. Wozu also sich im Loslassen mitsamt Trauerbewältigung üben? Richtig, um sich „in andre, neue Bindungen zu geben“. Und genau dann folgt Hesses berühmter Vers „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“.
|
Zugegeben: Vom Zauber spüre ich derzeit recht wenig. Allein in den letzten zwei Wochen gab es bei uns vier Verletzungen der Kinder, zwei Besuche bei der Notaufnahme und einen gebrochenen Fuß. Zwischendurch zahlreiche Baustellen und Handwerker, Konflikte und Krankheiten. Resilienz am Anschlag!
|
Doch das Interessante ist, dass all diese Krisen uns nicht dauerhaft runterziehen konnten. Nun will ich damit nicht Schlimmeres heraufbeschwören, sondern umgekehrt festhalten, dass mein Inneres inzwischen schneller wieder seinen Frieden findet und sogar die Freude vermehrt Einzug erhält, Freeling sei Dank.
|
Als ich meinen Sohn im Rollstuhl sitzend im Krankenhaus von einer Station zur anderen fuhr, war ich direkt im Rennfahrer-Modus. Kurz darauf rollte er selbst munter umher und hatte sichtlich Gefallen gefunden an diesem neuen Gefährt – was die Dankbarkeit gegenüber zwei gesunden Beinen nicht im Geringsten schmälern soll.
|
Doch genau dazu fordert uns Hesse auf: „Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten“, mahnt jedoch direkt an, „an keinem wie an einer Heimat [zu] hängen“. Heißt: Hab Spaß, aber häng dein Herz nicht dran. Denn das Leben ist endlich, wie auch Hesses letzter Vers anklingen lässt: „Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“ Was für ein Gedicht!
|
Meine vergangenen Monate waren geprägt von Wandel. Neues Haus, neues Büro, neues Podcast-Studio, neuer Kaminofen (erstmals), neues Konto (und Kontostand o_O), neue Handwerkerskills, neue Werkzeuge, Umzug meiner selbstgehosteten Cloud, neuer E-Mailprovider, neues Mailprogramm (Umzug abgeschlossen); so vieles auf privater und beruflicher Ebene ist neu. Everything Everywhere All at Once eben. Im besten Fall der Grundstein für ein neues Kapitel.
|
In diesem neuen Kapitel werden Krisen und Rückschläge wohl nicht ausbleiben, fürchte ich, aber der Umgang mit ihnen wird besser werden, hoffe ich. So blicke ich auf ein Jahr mit neuer Nachbarschaft, neuem Garten (Baumhaus?), neuer weiterführender Schule für unseren Sohn, neuer Fitness (argh, tschakka!), neuer Webseite von creedoo, neuem Laptop (Tendenz: Macbook Air), neuen Podcast-Episoden.
|
Manches davon mag banal erscheinen, anderes ist groß. In der Summe erinnert es mich an diese Zeilen aus Hesses Gedicht:
|
|
|
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen, Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
|
|
Es ist wichtig, dass wir wach bleiben, mit scharfem Verstand und weitem Herz. Das heißt nicht, dass wir uns nicht verwurzeln und verlieben dürfen, ganz im Gegenteil. Aber wer es sich zu gemütlich macht, wird bequem – und verpasst womöglich den Absprung aufs neue Ufer. (Um Missverständnisse zu vermeiden: Wenn du verheiratet bist: gut so!)
|
Wo bist du vielleicht bequem geworden? Was darfst du loslassen? Und was sollte bei dir erwachen? Welchen Sprung willst du wagen? Schreib mir gerne, ich freue mich jedes Mal über Post von dir.
|
|
|
|
|
|
|
|
Hören.
|
Letzte Woche konnte ich mich nicht entscheiden zwischen zwei Podcasts. Gehört habe ich: keinen von beiden. Tatsächlich war es mir zu viel, das Leben bereits voll genug.
|
|
Dafür gibt's an dieser Stelle eine Liedempfehlung, die ich bereits vorige Woche drüben bei Telegram geteilt habe. Watch Your Mouth von Josiah Queen. Erzeugt definitiv gute Laune!
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Sehen.
|
|
Da ich wie du weißt derzeit YouTube faste, habe ich eigentlich keine Empfehlung für dich. Eine Ausnahme habe ich vergangenen Dienstag gemacht: Da nämlich erschien nach langer Zeit mal wieder eine neue Folge meines Freundes Leonard von Bibra, die ich allen Politikinteressierten empfehlen kann. Schau gerne mal rein!
|
|
|
|
|
|
|
|
Fühlen.
|
|
Geschafft. Im doppeldeutigen Sinne. Einerseits bin ich geschafft und könnte gut zwei Wochen Strandurlaub gebrauchen. Andererseits habe ich das Gefühl, das Gröbste endlich geschafft zu haben, sodass es jetzt wieder losgehen kann. Und das wiederum freut mich.
|
|
Riechen.
|
|
Weltpolitisch brodelt es an allen Ecken und Enden, die Benzinpreise, ein guter Gradmesser für den aktuellen globalen Zustand, könnten noch weiter steigen und es riecht alles andere als nach Frieden. Was aber, wenn der Iran- und Ukrainekrieg in diesem Jahr enden und Putin und Trump keinen weiteren Krieg anzetteln würden? Was riechst du?
|
|
Schmecken.
|
Ich hätte nicht gedacht, dass es mir in der Fastenzeit schwerer fällt, auf Wurst zu verzichten als auf YouTube-Videos. Der Grund dafür: Ich vermisse Senf. Sehr sogar.
|
|
Was wirklich spannend wäre: Allen Senf, den ich in meinem Leben bislang gegessen habe, auf einem Haufen zu sehen. Ich vermute, dass ich mengentechnisch im Vergleich zu allen Anderen meiner Altersklasse ziemlich weit vorne liegen dürfte…
|
|
|
|
|
|
|
One more Sinn
|
Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich zwecks Terminfindung mit einem Mann telefonierte, der herrlich unkompliziert einen Termin mit mir für einen Videodreh vereinbarte. Als ich ihn darauf ansprach, sagte er: "Ich bin eben ein Problemlöser."
|
Damals fand ich das großartig. Bis ich irgendwann merkte, dass genau das manchmal auch Probleme schafft. Etwa in der Ehe, wenn man(n) viel zu voreilig ein Problem lösen möchte anstatt einfach mal zuzuhören. Also rutschte das Ansehen eines Problemlösers bei mir wieder etwas nach unten.
|
In den letzten vier Monaten habe ich gelernt, dass es für alles seine Zeit gibt. Für das Lösen von Problemen genauso wie für das Zuhören. Und wenn es ums Handwerkliche geht, dann ist die Kompetenz eines Problemlösers wirklich wichtig. Zumindest auf meiner Seite. Umgekehrt wäre es jedoch manchmal sicher hilfreich gewesen, die Handwerker hätten mir etwas besser zugehört. Das hätte manche Problemlösungsstrategien meinerseits überflüssig gemacht.
|
|
Für das Prinzip Selbstwirksamkeit jedenfalls war das durchaus ein wertvoller Abschnitt. Für die Zukunft jedoch wünsche ich mir eine langanhaltende Phase, in der ich wieder mehr zuhören darf. Sowohl bei Podcast-Interviews als auch in der Ehe.
|
|
|
|
|
|
Augen|klick
|
|
Lange hat's gedauert, endlich ist es fertig: das neue Podcaststudio. Nach über vier Monaten geht es jetzt also wieder los mit neuen Podcastepisoden. Und mein erster Gast hat bereits zugesagt, der Termin steht. Tatsächlich bin ich schon ziemlich aufgeregt ... es war auch eine viel zu lange Zeit ohne neue Folgen. Stay tuned!
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|