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Ärmel hoch und Mund auf!

»So, wie du mit deinem eigenen Herzen umgehst, so gehst du auch mit anderen um.«
— John Eldredge
iGude!

Vergangene Woche war ich vier Tage lang auf einer Konferenz in den Niederlanden. Zwei Zitate haben mich nachhaltig beschäftigt, eines findest du unten bei "One more Sinn", um das andere soll es in der heutigen Edition gehen.

Mündigkeit statt Müdigkeit

„Maturity is the amount of reality you can handle“, definierte US-Autor John Eldredge, den ich bereits in der vergangenen Edition zitierte, in einem Vortrag den Begriff Reife. Auf Deutsch: Reife ist das Maß an Realität, das du verkraften kannst. Faszinierend! Und darum geht es doch: mündig zu werden.

Wie du in den letzten Wochen gemerkt hast, beschleicht mich aktuell eine gewisse Nachrichtenmüdigkeit. News langweilen mich gerade. Und das, obwohl derzeit gefühlt kein Tag ohne neue erschütternde Eilmeldungen vergeht. Vor allem dieser Trump, der die Schlagzeilen seit Monaten dominiert wie kein Zweiter, nervt mich immer mehr. Man könnte auch von News oder Trump Fatigue sprechen, einer Resignation als Reaktion auf die permanenten bad news.

Was ich mir jedoch nach wie vor wünsche, ist eine Nachrichtenmündigkeit – also mit der Realität klarzukommen. Nur: Was ist Realität? Für mich ist Realität sehr eng an Wahrheit gekoppelt. Man könnte also auch sagen: Reife ist das Maß an Wahrheit, das du verkraften kannst.

Das erklärt auch, warum sich viele von uns von Nachrichten, insbesondere der Politik, abwenden. Es ist zu viel. Nicht nur News und Trump, sondern auch Leid und Elend. Überall Kriege, Krisen, Korruption – das hält doch keiner auf Dauer aus.

Und so flüchten wir uns in unsere vermeintlich heile Welt anstatt anzuerkennen, dass es sie hier auf Erden nicht gibt, diese heile Welt. Das Prinzip „Was ich nicht sehe, gibt es nicht“ entspricht dem Reifegrad eines zweijährigen Kindes, das Verstecken spielt, indem es sich die Augen zuhält.

All diese Kriege, die Trump beenden wollte, sind real. Millionen von Menschen leiden darunter, und Milliarden von Menschen bekommen die Auswirkungen davon zu spüren. Crazy!

Dass das nicht spurlos an uns vorübergeht, liegt auf der Hand. Und ja, auch mein Resilienztank ist irgendwann aufgebraucht und meine Empathie nur noch in begrenzen Maßen vorhanden. Gestern sprach ich kurz mit meinem neuen Nachbarn. „Und, wie geht’s?“, frage ich. „Ach, Daniel, ich überlebe“, kommt mit müder Stimme zurück. Als ich am Nachmittag eine Freundin frage, wie es bei ihnen zuhause ist, schweigt sie lang. „Voll und viel?“, frage ich. Sie nickt nur. Mehr ist da einfach nicht drin.

Während also Trump und Co. in der Welt umherwüten, wütet in uns selbst so viel Chaos, dass wir keine Kapazitäten mehr für „die da oben“ haben – oder die da oben nur als Ablenkung, Flucht oder Ausrede verwenden, selbst nichts tun zu müssen. Bringt doch eh nichts!

Mehr Mut durch Wut

Zugegeben: An dieser Stelle gibt es mehrere möglichen Ausfahrten. Heute entscheide ich mich, einmal mehr, die Ausfahrt „Wut“ näher zu betrachten.

Wenn ich an Wut denke, denke ich zunächst an Ungerechtigkeit. Wenn uns oder anderen Unrecht geschieht und Grenzüberschreitungen stattfinden. Dann meldet sich die Wut und macht uns darauf aufmerksam – und nicht nur das: Sie gibt uns sogar Energie, um etwas daran zu ändern. So weit, so bekannt.

Was aber tun, wenn wir nichts ändern können? Wenn die Weltpolitik out of reach erscheint, außer Reichweite unseres Einflusses? Richtig, dann bleiben nur noch der Fatalismus, der Zynismus, der Eskapismus oder das Selbstmitleid. In allen Fällen schenken wir der Lüge mehr Glauben als der Wahrheit – und sehen die Realität fortan bestenfalls verzerrt. Das ist das Gegenteil von Mündigkeit.

Wie kommen wir da raus? Ehrlich gesagt habe ich keine pauschale Antwort. Die wäre auch zu platt. Das Leben ist viel zu komplex. Und jeder von uns hat andere Wirkkreise, Aufgaben und Verantwortungsbereiche. Daher ist es zunächst einmal sicher hilfreich zu wissen, was mein Bereich ist, in dem ich wirken kann. Oft ist es aber die Angst, die uns, die mich, davon abhält, etwas zu ändern – wenn nicht die Umstände, dann wenigstens die Perspektive.

Und genau hier kommt die Wut ins Spiel. Wut kann nämlich auch gegen uns selbst gerichtet sein. Gegen unsere eigene Feigheit oder den Verrat eigener Werte und Überzeugungen. Immer dann, wenn wir unsere Integrität opfern und uns unserer eigenen Würde berauben (lassen), meldet sich die Wut.

Bei manchen von uns führt eine nach innen gerichtete Wut zu Depression, andere wiederum leiten sie nach außen um, Team Aggression. Zu welcher Sorte gehörst du? Die wichtigere Frage: Auf welche Ungerechtigkeit oder Grenzüberschreitung will die Wut dich hinweisen? Wo schaust du weg statt hin? (Schreib mir gerne, wenn du magst!)

Dort, wo Wut in Hass umschlägt, wo entweder Selbstleugnung oder -geißelung oder Verurteilung und Abwertung anderer Einzug erhält, wird die Wut destruktiv. Und dort, wo eigentlich Scham oder Trauer dahinterstecken, wirkt die Wut oft schützend. Aber auf eine unreife Art.

Leider gibt es viele, die nach wie vor denken, Wut sei ein schlechtes Gefühl, das wir unbedingt loswerden müssen. Bitte lass mich an der Stelle einmal einen Bibelvers zitieren:

„Wenn ihr zornig seid, dann versündigt euch nicht. Legt euren Zorn ab, bevor die Sonne untergeht.“ (Epheser 4,26, NGÜ)

Hier wird der Zorn an sich nicht verurteilt. Wovor jedoch gewarnt wird: Als Reaktion auf das Gefühl etwas zu tun, das grenzüberschreitend oder ungerecht ist. Es bringt uns in den allermeisten Fällen also nicht weiter, aufgebracht über „die da oben“ zu schimpfen, während vier Finger auf uns zeigen. Es bringt uns auch nicht weiter, wenn wir uns selbst verdammen und infolgedessen in Passivität verharren. Die Scham gehört aufgedeckt und die Angst abgegeben und überwunden. I know, leichter gesagt als getan. Weshalb ich ganz sicher auch in den kommenden Wochen auf dieser Thematik rumkauen werde, to be continued

Was könnte für dich ein erster, zweiter oder nächster Schritt sein, um weiterzukommen? In deiner Familie, auf der Arbeit, in deiner Stadt? Let’s go – Ärmel hoch und Mund auf!

Bis nächste Woche,

Dein Daniel

PS: Welche gedankliche Ausfahrt hättest du nach "Bringt doch eh nichts!" genommen? Schreib mir gerne!

Hören.

Die vergangene Woche habe ich aufgrund meines YouTube-Fastens nur bereits bekannte Musik gehört und mir lediglich Podcasts zu Gemüte geführt, die aus meiner Sicht nicht besonders teilenswert sind.

Dafür ist nach acht Monaten Pause meine nächste Podcast-Episode im Kasten, die ich hoffentlich nächste Woche veröffentlichen werde. Zu Gast: ein Musiker. Stay tuned!

Sehen.

Same here. No YouTube, no Recommendations. Was ich tatsächlich gerne sehen würde, ist der neue Kinofilm Der Astronaut – Project Hail Mary. Schließlich habe ich im vergangenen Jahr den Roman dazu gelesen (nett, aber nicht überragend!).

Doch der Film ist lang und meine Kraft begrenzt, daher warte ich vermutlich, bis er zum Streamen verfügbar ist. Dann kann ich ihn nämlich auch entspannt in Etappen schauen. Wie eine Serie eben.

Fühlen.

Frieden. Trotz Stürmen.

Riechen.

Herzlichen Glückwunsch zur nächsten Meisterschaft, FC Bayern München. So weit, so langweilig.

Spannend wird die Frage, was in der Champions League so geht. Mein Tipp: mindestens mal Halbfinale. Und wenn Finale, dann holen sie den Henkelpott nach Hause. We'll see.

Schmecken.

Käse. Da ich derzeit neben YouTube bekanntlich auch Wurst faste, gewinnt der Käse stark an Bedeutung.

Was mir dabei auffällt: die Namen. Ob Bierkäse, Gewitterkäse oder Gipfelpurist – ein wenig albern komme ich mir ja schon vor, wenn ich diese Namen an der Theke in den Mund nehme. Schmecken dafür umso leckerer!

One more Sinn

„It’s never the goal to stay where we are“, sagte US-Autor Allen Arnold in einem Vortrag. Und knüpft damit prima an das an, worüber ich vergangene Woche bereits geschrieben habe. Veränderung ist unvermeidbar – und das ist gut so. Erinnerst du dich noch an Hesses Gedicht Stufen?

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
(…)
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

So bin ich auch aufgebrochen, diesen Newsletter zu starten – und beschäftige mich inhaltlich immer wieder mit Veränderung. Wir leben eben in Transit Times, in dieser Zwischen- oder Übergangszeit, ohne hier auf der Erde je den Ort oder Zustand zu erreichen, an oder in dem wir für immer verharren wollen und sollen.

Aber ja, diese Veränderung, die innere Reise, die Arbeit an uns selbst, sie ist oft anstrengend und tut zuweilen weh. Umso bemerkenswerter finde ich es, dass du hier bei Transit Times dabei bleibst, dass du dran bleibst, wenn ich über Themen wie diese schreibe.

In Wissenschaft und Spiritualität herrscht eine überraschende Übereinstimmung: Wer (oder was) wir werden, wird von sechs grundlegenden Kräften bestimmt – ob wir uns ihrer bewusst sind oder nicht. In diesem fünfminütigen englischsprachigen Video erfährst du, welche das sind und wie du dir darüber bewusst werden kannst.

Augen|klick

Damit auch du mal ein Gesicht zu dem bereits mehrfach erwähten John Eldredge hast: Hier ein Foto mit dem von mir sehr geschätzten US-amerikanen Autor.
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