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»An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.« — Erich Kästner
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Die letzten drei Transit Times-Videoeditionen handelten von den großen Digitalthemen KI, Social Media und Smartphone. Und was man trotz der wenigen Klicks schon recht deutlich erkennen kann, ist, dass das KI-Thema sechs Likes bekommen hat, das Smartphone-Thema fünf Likes und das Social Media-Thema bei vergleichbar vielen Aufrufen lediglich ein Like bekommen hat. Woher kommt also diese Diskrepanz?
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Mit dieser Frage ging ich am gestrigen Morgen im kühlen Wald spazieren. Was ist bei der Social Media-Edition anders als bei den anderen beiden? Ein entscheidender Aspekt ist sicher, dass ich bei Social Media im Gegensatz zu KI und Smartphone die Maximalforderung gestellt habe, nämlich den radikalen Verzicht – in Form von Verbot.
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Im Gegensatz dazu habe ich bei KI und Smartphone zwar auch auf die Gefahren hingewiesen, aber zugleich klargemacht, dass die Lösung nicht darin besteht, nie wieder KI oder das Smartphone zu benutzen.
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Sowohl KI als auch das Smartphone an sich, so meine zentrale Botschaft, können nicht nur von uns genutzt werden, sondern auch uns benutzen. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, bewusst damit umzugehen, mündig zu bleiben, selbständig zu denken und verantwortlich zu handeln.
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Bei Social Media hingegen war der Charakter ein anderer, der Ton schärfer, das Feindbild klarer adressiert. Was eben, ganz grundsätzlich gesprochen, eine andere Reaktion auf diese andersgelagerte Botschaft der Social Media-Edition zur Folge hat.
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Da man bei KI einfach noch nicht so tief drin hängt, fällt eine Reaktion hier vergleichsweise milde aus. Noch gibt es also eine gewisse Offenheit, sowohl was die Nutzung anbelangt (Neugier und Bequemlichkeit) als auch für die Kritik von außen (Einordnung und Notwendigkeit), das alles gepaart mit gesunder Skepsis und einer gewissen Vorsicht. Viele teilen, und das verbindet uns, eine gewisse Sorge, Respekt oder Angst vor der rasanten Weiterentwicklung und den unvorhersehbaren Auswirkungen von ChatGPT und anderen KI-Tools. So it’s basically preaching to the choir.
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Beim Thema Smartphone weicht die Angst der Scham (ein riesiges Thema für sich, wie auch Stephan Marks hörenswert erkannt hat) – etwa wenn man gespiegelt bekommt, dass man das Smartphone in einem möglicherweise ungesunden Ausmaß nutzt und tatsächlich auch umgekehrt davon benutzt wird. Das, was die Scham aber erträglich macht, ist, dass ich mich selbst als dazugehörig kennzeichne, was uns ebenfalls miteinander verbindet. Wir alle sitzen im gleichen Boot, wir alle struggeln an der gleichen Stelle.
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Kurzum: Sowohl bei KI als auch bei Smartphone stelle ich eben nicht die Maximalforderung nach dem radikalen Verzicht (durch Verbot), ganz anders bei Social Media (für unter 16-Jährige, wohlgemerkt – aber das geht hier, womöglich aufgrund der eigenen Betroffenheit, wohl schnell unter).
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Bei Social Media komme ich zu einem anderen Ergebnis und dieses andere Ergebnis lässt mich zunächst womöglich intolerant und ausgrenzend erscheinen. Kurz: böse und gefährlich. Es könnte als Angriff gewertet werden, als ein Vorwurf, als etwas, das nicht nur Scham auslöst, sondern auch Schuldgefühle. Und das ist, so meine Überzeugung, eine sehr entscheidende Zutat dieser anderen Charakteristik, die die Gegenwehr bzw. den Widerstand deutlich stärker hervorruft.
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Die Widerstandsphänomene des Schweigens, des Relativierens oder der starken emotionalen Reaktion, über die ich auch in Edition 49 zum Fall Collien Fernandes mehr geschrieben habe, lassen sich auch hier gut beobachten.
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Zwei Erkenntnisse, die ich daraus ziehe:
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- Wir haben ein Problem mit Schuldgefühlen. Wir wollen nicht schuldig sein und uns schon gar nicht von irgendjemandem schuldig erklären lassen.
- Wir sind nicht bereit, den Preis dafür zu bezahlen, den es hätte, wenn wir dieser Sichtweise, dieser Logik oder dieser Überzeugung folgen würden.
Ergo müssen wir, ob unterbewusst oder bewusst, in den Widerstand gehen und das Thema wegerklären, wegdrücken, müssen uns wegducken und diesen üblen, unangenehmen Kelch an uns vorüberziehen lassen. Beides eint, dass wir uns nur ungern etwas von anderen sagen lassen, in unser Leben reinsprechen lassen, das uns zu einem veränderten Handeln zwingt. Wir wollen uns nicht zwingen lassen, sondern wir wollen eingeladen werden. Und in dieser Sache bin ich voll dabei. Auch ich will mich nicht zwingen lassen.
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Auch ich will von innen heraus entscheiden, welche Veränderungen ich zulasse, welche Veränderungen ich annehme, welchen Veränderungen ich nachjage. Ich will mündig bleiben, bewusst selbst entscheiden, von wem ich mich prägen und formen lasse; und deshalb kann ich verstehen, dass man, dass du, hier womöglich in den Widerstand gehst.
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Die Frage, die ich mir allerdings stelle, ist im Grundsatz zunächst einmal nicht die, ob ich hätte softer schreiben beziehungsweise sprechen müssen, sondern ob das, was ich sage, überhaupt zutreffend und in seiner Form auch angemessen ist. Du kannst dich entweder an dem Inhalt stören oder an der Art, wie der Inhalt kommuniziert wurde. In meinem Fall war es womöglich beides, denn die absolute Forderung nach einem Social Media-Verzicht (nochmal: für unter 16-Jährige!), die mein zuvor Gesagtes logischerweise zur Folge hätte, führt dazu, dass ich die vorgetragenen inhaltliche Ebene mit mehr Schärfe zum Ausdruck bringe. Ein Freund von mir nannte es „aktivistisch“.
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Ich verlasse hier also – und das tue ich bewusst – das rein journalistisch beobachtende, beschreibende, spiegelnde, aufzeigende, erklärende, zur Meinungsbildung anregende Aufbereiten der Inhalte und betrete den Pfad des Aktivistischen, welches die Neutralität verlässt, weil es von einer Sache überzeugt ist und dieser Überzeugung Ausdruck verleihen möchte.
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Damit stoße ich nicht nur in der Sache auf Widerstand, sondern auch in der Summe. Heißt: Die Gesellschaft, in der wir leben, ist eine zutiefst individualistische und, so meine kritische Beobachtung, als Begleiterscheinung dessen eine zunehmend kritik- und konfliktunfähige Gesellschaft geworden, in der die Freiheit des Individuums über alles gestellt wird – auch dann, wenn sie zum Nachteil anderer Individuen führt.
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Hier verkommt der Individualismus immer mehr zu einer grenzüberscheitenden Ignoranz, weshalb ich mich als selbst sehr freiheitsliebenden Menschen in diesem Fall für ein klares Verbot zum Schutz der Minderjährigen, unserer Kinder und Jugendlichen, ausspreche.
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Dieses Verbot fällt mir nicht leicht und ist mit einem sehr starken inneren Ringen einhergehend – auch deshalb, weil es leider auch die Gefahr beinhaltet, von politischer Seite aus missbraucht oder übersteigert angewandt zu werden, etwa wenn Friedrich Merz im gleichen Atemzug eines möglichen Verbots eine pauschale Klarnamenpflicht im Internet fordert, gegen die ich mich sehr stark ausspreche.
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Während ich beim Smartphone und insbesondere bei der KI die großen IT- und Tech-Konzerne in der Hauptverantwortung sehe, wie selbstverständlich auch bei bei Social Media, habe ich bei meiner Social Media-Edition diese hauptverantwortliche Ebene nicht als zentrales Feindbild angeboten – und den Zuschauern somit nicht ermöglicht, von der Scham in die Wut zu gehen und auf „die da oben“ wütend zu sein. Stattdessen habe ich bewusst die Verantwortung des Einzelnen (eigentlich des gesamten gesellschaftlichen Kollektivs) und das drohende Versagen der Politiker (die leichtes Spiel haben, weil wir Väter und Mütter so leise sind, die Tech-Lobby jedoch so laut ist) adressiert und, so unangenehm sich das anfühlt, im Raum stehen gelassen.
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Das auszuhalten, ist höchst unangenehm und daher nur allzu nachvollziehbar, dass wir in den Widerstand gehen bzw. nach dem Weg des geringsten Widerstandes suchen, den uns unser Hirn anbietet. Und der lautet nun mal, immer so zu bleiben wie man ist und so zu denken, wie man bislang dachte. Veränderung ist schließlich anstrengend, nervig und zuweilen furchtbar unbequem.
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Meine Einladung an der Stelle ist simpel: nämlich doch noch einmal genauer hinzuschauen. Wenn du dir bislang nicht die Zeit genommen hast, den einstündigen Podcast mit Jonathan Haidt zum Thema Social Media anzuhören, lege ich dir das einmal mehr eindringlich ans Herz, dich mit einer sorgsam prüfenden Offenheit dem Thema Social Media zuzuwenden. Denn letztendlich geht es mir nicht um Schuld oder Scham des Einzelnen oder des Kollektivs oder der da oben, sondern um den Schutz unserer Kinder. Und ich bin mir sicher, dass auch dir die Sicherheit unserer Kinder sehr am Herzen liegt.
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PS: Diesen Text habe ich weitestgehend als Sprachnachricht aufgenommen und hinterher von der KI transkribieren lassen. Ein sinnvoller Einsatz von KI, wie ich finde. Mein Handgelenk jedenfalls schmerzt nämlich nach wie vor.
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PPS: Nach meiner vierten Videoedition am vergangenen Dienstag habe ich endlich eine Rückmeldung bekommen. Fazit: Die Texte liest sie voll gerne, die Videos gefallen ihr hingegen nicht so gut. Danke für deine Rückmeldung und Ehrlichkeit, liebe Eva. Weiß ich sehr zu schätzen. (Tatsächlich gibt es noch eine Dimension hinter den Videos, die ich bislang noch gar nicht addressiert habe. Vielleicht thematisiere ich das mal in einer klassischen Edition in Textform.)
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»Die Algorithmen, die diese (Sozialen-Medien-)Plattformen steuern, sind nicht darauf ausgelegt, die Wahrheit zu fördern oder den Dialog zu vertiefen, sondern die Verweildauer der Nutzer zu maximieren.« — Papst Leo XIV.
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Hören.
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Dieses Lied von US-Musiker Stephen Stanley ist mir in den vergangenen Monaten im Original sehr ans Herz gewachsen. Der Inhalt ist enorm wertvoll, die Musik herrlich energiegeladen.
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Vor einigen Wochen erschien dann diese neue Version, die ebenfalls zu gefallen weiß. Hörenswert!
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Sehen.
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Ich habe große Hoffnung, dass es dem von mir sehr geschätzten Drehbuchautor und Regisseur Aaron Sorkin in seinem neuesten Kinofilm The Social Reckoning gelingt, das toxische Ausmaß von Facebook, Instagram und Co. deutlich zu machen.
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Denn wer ernsthaft wegen Elon Musk kein Tesla fahren möchte, sollte auch wegen Mark Zuckerberg kein WhatsApp nutzen wollen. Alles andere wäre spätestens nach diesem Film Heuchelei. Für mich jetzt schon ein Must-see.
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(Leider kommt der Film erst am 8. Oktober dieses Jahres ins Kino.)
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Riechen.
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Vor der WM meine Favoriten: Brasilien und Spanien.
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Nach der ersten Runde meine Favoriten: Frankreich und England.
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Im erweiterten Kreis top: Argentinien.
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Im erweiterten Kreis flop: Portugal.
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Und Deutschland? Mehr als Achtelfinale ist trotz des gelungenen Starts nicht drin. I hope I'm wrong. :)
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Schmecken.
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Das schmeckt mir: Cheesecake-Waldbeere. Die mit Abstand beste Eissorte beim beisten Eiscafé Rheinbachs Deutschlands. Komm vorbei und überzeuge dich selbst! :)
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One more Sinn
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Ein Wort, das mir im englischsprachigen Raum in den vergangenen Monaten immer wieder begegnet ist, ist Agency. Wenn ich bei dict.cc Agency nachschlage, finde ich dort nur Begriffe wie Handlungsfähigkeit oder Handlungsmacht. Das drückt jedoch nur bedingt aus, was damit gemeint ist.
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Die deutsche KI-Übersetzung DeepL ist da schon deutlich besser, wenn ich das Wort im Kontext übersetzen lasse: Eigeninitiative. Im Grunde sagt Agency beides aus – und noch viel mehr. Der Begriff ist viel ganzheitlicher, beschreibt philosophisch betrachtet die Fähigkeit, bewusst zu handeln. Psychologisch betrachtet meint es Selbstwirksamkeit (auch so ein Wort, hinter dem sich eine Menge verbirgt). Und im Coaching würde ich von Selbststeuerung (Gedanken) und Selbstregulation (Gefühle) sprechen.
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Wie dem auch sei, genau diese Agency sehen manche US-Amerikaner zunehmend bedroht. Also die Eigenständigkeit im Denken und Handeln.
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Stattdessen werden uns Feindbilder angeboten, denen wir die Schuld (für was auch immer) geben können. Und nur allzu gerne sind wir versucht, diese Bilder anzunehmen. Es ist so herrlich entlastend, wenn ich nicht Verantwortung übernehmen oder mir selbst überlegen muss, was ich tun kann, damit es besser wird. Wie sieht's bei dir aus?
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PS: Wenn du klein anfangen willst (Wer im Kleinen nicht treu ist ...), empfiehlt Jordan Peterson, sein Zimmer aufzuräumen und sein Bett zu machen. Wirkt klein, wirkt groß.
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Augen|klick
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