Leverkusens Meisterschaft: Mentalität und Mindset sind Key!

Bayer Leverkusen ist Deutscher Meister. Für Fußballinteressierte war das in den letzten Wochen absehbar, für alle anderen war die Meldung sicher überraschend. Ich rechnete schon vor Saisonbeginn fest damit – und erkläre euch gerne, wie es dazu kam.

„Es war im Vorhinein klar: Wer dieses Spiel gewinnt – und das waren nun eben wir – setzt ein Statement. Und das ist es nun auch meiner Meinung nach“, sagte Leverkusens Neuzugang Jonas Hoffmann nach dem Auftaktsieg gegen Mitbewerber RB Leipzig am 19. August 2023.

Der Kicker fragte damals, ob aus dem „Statement für nächsten Samstag dann also ein Statement in Richtung Mai“, wenn die Bundesliga-Saison endet, folgen könnte. „Wir haben Ambitionen, aber wir dürfen nicht dumm sein und müssen jedes Spiel respektieren“, antwortete Coach Xabi Alonso daraufhin.

Und heute, acht Monate vorgespult, lässt sich sagen: Bislang hat Bayer Leverkusen noch kein Spiel in dieser Saison verloren. Klingt also, als hätte Alonso seinen Worten auch Taten folgen lassen.

Doch bis dahin war es ein weiter Weg – und alles andere als ein Selbstläufer. Woran lag es also? Das haben andere da draußen bestimmt besser analysiert als ich es je könnte, und dabei sicher berechtigte Aspekte wie Trainer, Kader, Taktik und Teamgedanke genannt.

Ein Aspekt, der ebenfalls immer wieder genannt wurde, ist es aus meiner Sicht Wert, besonders hervorgehoben zu werden: Mentalität und Mindset. (Weil ich mich in meiner Coachingausbildung viel damit befasst habe, bin ich derzeit besonders darauf sensibilisiert.)

Stay humble and focused

Leverkusens Neuzugang Josip Stanisic sagte nur drei Tage später nach dem ersten Bundesligaspiel: „Der Trainer hat es gesagt: Wir müssen ruhig bleiben, auch wenn das erste Spiel jetzt gewonnen ist. Der Hype und der Druck kommen sehr schnell. Wir müssen am Boden bleiben. Aber klar ist: Mit den ganzen Transfers haben wir sehr hohe Ziele.“

Allen Ehrgeiz in Ehren: Demut tut gut. Das weiß auch Josip Stanisic und zeigt indirekt noch etwas anderes auf: nämlich dass der Coach mit seiner natürlichen Autorität tatsächlich Einfluss auf die Spieler hat. Der Trainer gibt die Richtung vor, die Spieler folgen. Warum? Weil sie ihm vertrauen – und ein gemeinsames Ziel vor Augen haben.

Geduld, Geduld …

„Eine Mannschaft mit viel Qualität – nicht nur individuell, sondern auch im Kollektiv, im Zusammenspiel (…) Und sie haben die Geduld und Qualität, den Ball laufen zu lassen, bis du irgendeinmal zu spät bist, und das dann auch zu bestrafen“, sagte der ehemalige Bayer-04-Trainer Gerardo Seoane, nachdem er gerade mit seinem neuen Verein Borussia Mönchengladbach am 2. Spieltag gegen Leverkusen verloren hatte. Geduld. Noch so eine wichtige mentale und charakterliche Eigenschaft neben der Demut.

Aus dem Mund von Granit Xhaka, einem weiteren Neuzugang Leverkusens, klang das nach einem Spiel im November dann so: „Die Fehler gehören dazu. Natürlich ist es am Ende ein bisschen Kopfsache, dass so ein Pass nicht ankommt. Aber wir wissen, wieviel Qualität wir haben, dieses neue Gesicht, diesen neuen Charakter, erstmals (lange) im Rückstand zu sein gegen eine Mannschaft, die eigentlich Top-Qualität hat in der Bundesliga.“

Ein reifer Umgang mit Fehlern. Geduldig sein. Warten und vertrauen. „Ein bisschen Kopfsache“ halt, wie Xhaka sagen würde. Hier wird die (mentale) Handschrift von Xabi Alonso immer stärker sichtbar. Stark.

Das Triple aus Mentalität, Motivation und Mindset

Bereits Mitte September, also einen Monat nach Saisonbeginn, analysierte der Kicker den deutlich werdenden Bayer-Erfolg sehr treffend mit den Worten:

Mentalität, Wille, Erfolgshunger, Resilienz, Eigenantrieb, motivationaler Bereich, Mindset, Spirit, Charakter, höherer Antrieb, (Eigen-)Motivation, intrinsische Motivation, Vorbild, Antrieb, das Maximum investieren.

Was sich wie eine gute Keyword-Liste für Suchmaschinenoptimierung liest, ist aus meiner Sicht lediglich die Essenz des Bayer-Erfolgs. Und all diese Eigenschaften fallen nicht vom Himmel, sondern wollen „gebaut“ werden, wie Xabi Alonso erklärte:

„Es ist das Wort, das Xabi Alonso seit seinem Amtsantritt immer wieder in schöner Regelmäßigkeit gebraucht: Mentalität. Diese wolle man in der Vorbereitung ‚bauen‘, erklärte der Baske auch zu Beginn dieses Sommers.“

It’s all about intrinsisch motiviert

„Es gibt immer Sachen, die man verbessern kann“, ergänzte Geschäftsführer Simon Rolfes. Und für mich der Schlüsselsatz des Artikels:

Der Impuls, trotz der aktuellen Erfolge weiter hart an sich zu arbeiten, muss daher nicht in erster Linie vom Trainerteam kommen – was ohnehin auf Dauer kein erfolgsversprechender Ansatz wäre.

Hier sind gleich zwei entscheidende Aspekte enthalten:

  1. An sich arbeiten.
  2. Intrinsisch motiviert.

An sich arbeiten wollen, also aus freiem Willen von innen heraus zu sagen: „Ja, ich will mich verändern. Ja, ich will mich weiterentwickeln.“ – Das ist genau das, was mir schon seit Jahren sehr wichtig geworden ist.

Mut zur Veränderung

Oft entscheiden wir uns – ob bewusst oder unbewusst –auf einem gewissen Plateau, das wir erreicht haben, stehenzubleiben. Und nicht selten versuchen wir dann, es zu verwalten oder zu verteidigen anstatt voller Zuversicht und Vertrauen weiterzugehen, wenn es an der Zeit ist.

Achtung: Ich sage damit nicht, dass man Erreichtes nicht genießen kann und es nicht auch (notwendige!) Ruhepausen und Auszeiten gibt. Aber wenn aus einer Ruhepause ein Dauerzustand passiver Trägheit, Bequemlichkeit und Selbstgefälligkeit wird, ist etwas schiefgegangen.

Bildlich gesprochen: Ein See, in dem das Wasser steht, fängt früher oder später an, ungesunde Auswüchse zu entwickeln und zu stinken – oder schlicht auszutrocknen. Beides keine attraktiven Szenarien.

Mentale Hygiene: Zähneputzen für die Seele

Xabi Alonso hat dem vorgebeugt – und mentale Hygiene betrieben. Dass es ihm gelungen ist, diese Werte (s)einer ganzen Mannschaft weiterzugeben, ist zutiefst beeindruckend. Der Erfolg jedenfalls ist hier das natürliche und nur folgerichtige Ergebnis.

Und ja, manchmal dauert es, bis der Erfolg sichtbar wird, und in anderen Fällen bleibt er womöglich aus. Aber hier stellt sich dann die Frage, warum – oder besser wozu – man an sich arbeitet. Etwa schlicht um charakterlich zu reifen oder lediglich als Mittel zum verlockenden Zweck, Erfolg zu haben?

Mein Geheimnis: Loslassen!

Hierin liegt ein Geheimnis, das mich letztendlich von der Funktion eines Fußballtrainers im erfolgsorientierten System unterscheidet. Und zwar erkenne ich an, dass ich mich selbst nur schwer verändern kann – aber dass ich mich verändern lassen kann. Anders gesagt: den Willen aufzubringen, plötzlich demütig und geduldig zu sein, ist sehr schwer bis unmöglich. Aber den Willen aufzubringen, mich formen zu lassen, im Vertrauen darauf, dass Demut und Geduld eine Frucht davon sein wird? Das halte ich für jeden von uns für möglich (machbar).

Maximale Potenzialentfaltung

Ob wir Deutscher Meister werden, in den Augen der Anderen erfolgreich werden oder nicht, ist nicht mehr entscheidend. Aber dann darf das passieren, was „meant to be“ ist, und das sichtbar werden, was in uns an- und hineingelegt wurde. Und ich bin mir sicher, dass das wunderschön ist – und eine Bereicherung für dein Umfeld und für deinen Wirkungskreis.

Can you feel it?

PS: Warum ich schon vor Saisonbeginn fest damit rechnete, dass Bayer Leverkusen Deutscher Meister werden würde? Am 5. August 2023 bestritt Leverkusen ein Freundschaftsspiel gegen West Ham United (dem aktuellen Gegner in der Europa League, Anm.). Leverkusen gewann 4:0, die Überschrift beim Kicker lautete „Machtdemonstration von Boniface und Bayer 04“. Und irgendwie hatte ich damals auf einmal „das Gefühl“™️, Leverkusen würde Deutscher Meister werden. Ich teilte das noch am gleichen Abend per Sprachnachricht – es ist also dokumentiert – meiner Frau mit und bekräftigte meine Einschätzung am 15. August 2023, nur vier Tage vor dem Saisonauftakt ein zweites Mal. Ein starker Zugang zu seinen Gefühlen – und zu dem, der uns formt und uns die Gefühle gegeben hat – kann sich lohnen.


Wenn du auch nur ein bisschen den Gedanken oder das Gefühl hast, dass bei dir noch mehr geht oder noch etwas Brach liegt, dann lade ich dich dazu ein, mit mir als Coach in Kontakt zu treten. Ich bin zwar nicht Coach Xabi, aber vielleicht ja genau der passende Coach für dich, deine Situation und deinen nächsten Schritt. Trau dich – weil du es dir Wert sein darfst: https://holy.coach